Computer Modell Katalog
Zeitlinie der Computerentwicklung
30000 v. Chr.
Verwendung primitiver Zahlzeichen in Form von Strichen, Kerben oder Knoten zum
Abzählen.
3100 v. Chr.
Die ersten heute bekannten Schriftzeichen entstehen. Der Volksstamm der Sumerer
verwendete einfache gegenständliche Abbildungen auf Tontafeln. Abstrakte
Zahlbegriffe sind ihnen jedoch fremd. In China, Ägypten und den indianischen
Kulturen entstehen ebenfalls einfache Schriftsysteme.
2900 v. Chr.
Die Babylonier entwickeln eine Keilschrift.
3000 v. Chr.
In Mesopotamien entstehen abstrakte Zahlbegriffe in Form eines
Sexagesimalsystems.
2000 v. Chr.
Entstehung der abstrakten Mathematik.
1800 v. Chr.
Zeugnisse babylonischer Lehrsätze in Form geometrischer Figuren. Beispielsweise
wird das Verhältnis der Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks im
Sexagesimalsystem mit 1+24/60+51/3600+10/216000 = 1:1,414212963 angegeben, was
sehr genau dem tatsächlichen Wert von Wurzel aus 2 entspricht. Die Assyrer
entwickeln eine Keilschrift.
1700 v. Chr.
In Ägypten werden erste Rechenbretter eingeführt.
800 v. Chr.
Erste Berichte über Fackeltelegrafen bei den Griechen.
450 v. Chr.
Herodot beschreibt das Rechnen mit Steinen.
300 v. Chr.
Aristoteles berichtet über eine Volkszählung unter Zuhilfenahme von
Rechenbrettern.
28 v. Chr.
Vitruv berichtet von der Verwendung von Zählrädern für Wegmessgeräte.
60
Heron beschreibt frühe Automaten und mechanische Zählräder.
200
Der Abakus entsteht in China, Arabien, Europa und später in Russland.
500
Begründung des dezimalen Systems in Arabien.
600
Volle Ausbildung des dezimalen Stellenwertsystems in Indien.
1200
Einführung der arabischen Ziffern in Europa.
1445
Erfindung der Buchdruckerkunst mit beweglichen Lettern.
1500
Leonardo da Vinci beschreibt die Verwendung von Zählrädern in Wegmessgeräten.
1510
Henlein baut in Nürnberg eine Taschenuhr.
1517
Beginn der Reformation in Deutschland.
1522
Adam Ries veröffentlicht seine Rechenlehrbücher.
1600
Entdeckung der Logarithmen; damit wird die Überführung einer Multiplikation in
eine Addition ermöglicht. Der Schotte John Napier entwickelt Rechenstäbe, mit
deren Hilfe die Multiplikation auf die Addition von Teilprodukten zurückgeführt
wurde. Dieses Prinzip fand später Eingang in die Rechenmaschine von Schickard.
Gilbert unterscheidet zwischen Elektrizität und Magnetismus.
1609
Galilei entwickelt ein Fernrohr und richtet es als Erster zum Himmel.
1617
Napier schlägt zur Trennung der ganzen Zahlen von den Dezimalbrüchen das Komma
vor.
1620
Rechenschieber mit logarithmischer Skala nach Gunter.
1623
Der Tübinger Professor Wilhelm Schickard konstruiert und baut die erste, rein
mechanische Rechenmaschine. Das Original ist nicht erhalten, jedoch gibt es
schriftliche Berichte. Anhand dieser Aufzeichnungen wurde die Rechenmaschine
rekonstruiert. Sie wurde vor allem zur Multiplikation verwendet, aufbauend auf
den Arbeiten des Schotten Napier.
Erstmals wird ein dekadisches Zählrad für Addition und Subtraktion verwendet.
Blaise Pascal, der berühmte Mathematiker und Philosoph, wird am 19.06.1623
geboren.
1632
Oughtred beschreibt einen Rechenschieber.
1642
Der Wissenschaftler Blaise Pascal zeigt in Paris eine Additionsmaschine. Der
Mechanismus der Zehnerübertragung funktioniert jedoch nicht exakt.
1643
Blaise Pascal führt in Paris eine Zweispeziesrechenmaschine mit sechs Stellen
vor.
1662
In England wird die „Royal Society" gegründet. Blaise Pascal stirbt im Alter von
nur 40 Jahren.
1666
Einfache Rechengeräte von Sir Samuel Morland in Form kleiner Taschengeräte, je
eines für Addition und Multiplikation, jedoch ohne Zehnerübertrag.
1673
Gottfried Wilhelm Leibniz stellt in London seine erste Rechenmaschine für alle
vier Grundrechenarten vor. Ihm gelang erstmals die durchgehende und vollständige
Zehnerübertragung über 15 Stellen. Eine solch aufwendige, feinmechanische
Herausforderung konnte nur ein Uhrmacher bewältigen.
1679
Am 15. März dieses Jahres schrieb Gottfried Wilhelm Leibniz eine Arbeit mit dem
Titel „Das dyadische Zahlensystem". Hinter dem Begriff „dyadisch" verbirgt sich
nichts anderes als das binäre Zahlensystem.
1703
Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelt auf Basis seiner Arbeiten zur binären
Arithmetik eine Umsetzung der vier Grundrechenarten. Das duale Zahlensystem
wurde erstmals von Konrad Zuse in der Z1 angewendet und bildet heute die
Grundlage der elektronischen Datenverarbeitung.
1729
Gray unterscheidet elektrische Leiter und Nichtleiter.
1733
Dufay unterscheidet Glas- und Harzelektrizität und erkennt später, dass sich
beide Arten nur durch ihre Polarität unterscheiden.
1745
E. J. von Kleist, Musschenbroek und Cunaeus erfinden unabhängig voneinander die
Leidener Flasche, einen elektrischen Kondensator.
1769
Watt erhält ein Patent auf die von ihm entwickelte Dampfmaschine.
1770
Philipp Matthäus Hahn entwickelt eine Rechenmaschine nach dem
Staffelwalzenprinzip. Ihr besonderes Konstruktionsmerkmal war die
Wartungsfreundlichkeit: Die Maschine konnte von jedem guten Uhrmacher repariert
werden.
1779
Hahn schreibt über seine Staffelwalzenmaschine.
1785
Coulomb beschreibt die Gesetzmäßigkeiten der anziehenden und abstoßenden Wirkung
zweier elektrischer Kräfte.
1801
Lochkartengesteuerte, mechanische Webstühle von Jacquard.
1819
Ørsted entdeckt die Wechselwirkung von Elektrizität und Magnetismus.
1820
Charles Xavier Thomas beginnt als Erster mit der werkstattmäßigen Herstellung
mechanischer Rechenmaschinen. Von seinem „Arithmomètre" wurden in sechzig Jahren
etwa 1500 Exemplare hergestellt. Vor allem Versicherungsgesellschaften gehörten
zum Kundenstamm. Ampère unterscheidet zwischen ruhender (Elektrostatik) und
strömender (Elektrodynamik) Elektrizität.
1833
Rechenmaschinen mit Lochkartensteuerung werden entwickelt – Grundprinzip des
speicherorientierten Rechnens.
1870
In den USA und in Deutschland beginnt die industrielle Produktion von
Rechenmaschinen.
1882
Charles Babbage, ein englischer Mathematiker, stellt nach langwieriger
Entwicklung das Modell einer druckenden Differenzenrechenmaschine vor. Mit ihr
sollten automatisch Tabellenberechnungen und -drucke erstellt werden, da die
verbreiteten Zahlentafeln oft fehlerhaft waren. Babbage entwickelte auch das
Konzept einer automatisch arbeitenden Rechenmaschine, der „Analytical Engine".
1884
Hermann Hollerith baut die erste Zähl- und Sortiermaschine mit elektrischer
Abfühlung.
1887
Hollerith fügt seiner Entwicklung ein Addierwerk hinzu. Er präsentiert das Gerät
als „elektrisches Tabelliersystem", bestehend aus Lochkarten, einem Stanzer,
einer Stiftbox als Leser, einem Sortierkasten und elektromagnetischen Zähluhren.
1890
In Wien wird eine Lochkartenmaschine zur Volkszählung durch Schäffler
eingesetzt.
1895
Thomas J. Watson beginnt als einfacher Verkäufer bei der Firma NCR; 18 Jahre
später ist er unter John Patterson die Nummer zwei im Unternehmen und maßgeblich
für die Entwicklung von Rechensystemen in den USA mitverantwortlich.
1902
Heinrich Diehl und Margarete Schmidt gründen in Nürnberg eine Kunstschmiede, aus
der die spätere Diehl-Gruppe hervorgeht. Mit Rechentechnik hat die Firma ein
halbes Jahrhundert lang nichts zu tun.
1905
Der Amerikaner Powers (1870–1915) entwickelt eine verbesserte, rein mechanische
Lochkartenmaschine und gründet 1910 die Powers Accounting Machine Company, die
1959 in England zur heutigen ICL fusionierte.
1911
Holleriths Unternehmen wird an die Computing Tabulating Recording Co. (C-T-R)
verkauft. Die C-T-R wird Jahre später in IBM umbenannt.
1919
Der norwegische Ingenieur Fredrik Rosing Bull meldet ein Patent auf eine
kombinierte Sortier-, Registrier- und Addiermaschine für Lochkarten an – eine
Alternative zu den Maschinen von Hollerith und IBM.
1914
Thomas J. Watson wird von John Patterson bei der Firma NCR entlassen.
Verschiedenen Quellen zufolge hat Watson daraufhin quasi Rache geschworen und
beginnt eine neue Karriere bei der Firma C-T-R (Computing Tabulating Recording).
Wie bei NCR setzt man auch bei C-T-R auf die Vermietung von Tabelliersystemen
und den exklusiven Verkauf von Lochkarten.
1921
Die norwegische Versicherung Storebrand nimmt Bulls Maschine in Betrieb; 1922
geht das zweite Gerät an den dänischen Versicherer Hafnia. Skandinavien ist der
erste Markt.
1924
Die Computing Tabulating Recording (C-T-R) wird in International Business
Machines Company (IBM) umbenannt. Thomas J. Watson bleibt bis 1952 Präsident von
IBM.
1925
Der Norweger Fredrik Rosing Bull stirbt bereits mit 43 Jahren. Seine Patente
werden weiterverwertet – die Firma, die seinen Namen trägt, entsteht erst danach
und in einem anderen Land - in Frankreich.
1928
Paul und Joseph Galvin übernehmen das bankrotte Batterieunternehmen Stewart
Storage Battery Co. in Chicago, Illinois, und gründen die Motorola Company.
1929
Émile Genon eröffnet in Paris eine Reparaturwerkstatt für Lochkartenmaschinen –
die Keimzelle des französischen Bull-Geschäfts.
1931
IBM stellt den Multiplizierer IBM 600 vor, eine nicht schreibende
Multiplikations-Lochkartenmaschine, die extern über eine Schalttafel
programmiert wurde.
Die Schweizer H. W. Egli übernimmt die Verwertung der Bull-Patente; das Unternehmen firmiert als H. W. Egli - Bull.
1934
IBM stellt den Multiplizierer IBM 601 vor; ähnlich dem IBM 600, verfügt dieses
Modell zusätzlich über eine Formelrechenfunktion.
Bull erwirtschaftet mit 800.000 Francs den ersten Betriebsgewinn; 1935 gilt das Unternehmen als wichtigster Konkurrent von IBM in Frankreich.
Im Werk 2 nimmt Diehl in Nürnberg die feinmechanische Fertigung auf. Diese Fertigungskompetenz ist später die Voraussetzung dafür, dass die Firma überhaupt Rechenmaschinen bauen kann.
1936
Alan Turing (England, 1912–1954) beschreibt eine gedachte Maschine, die nicht
mehr zwischen Daten und Befehlen unterschied, somit über starre Programmabläufe
hinausging und auf rein binärer Arbeitsweise basierte. Der erste Relaisrechner
Z1 wird von Konrad Zuse in der elterlichen Wohnung fertiggestellt; einige
Quellen besagen, das System sei bereits 1935 fertiggestellt worden.
1939
Im Januar 1939 gründeten William Hewlett, der kurz zuvor seinen Abschluss an der
Stanford University im Bereich Elektrotechnik erworben hatte, und David Packard
die Firma „Hewlett-Packard" in einer Garage in Palo Alto mit einem Startkapital
von 538 US-Dollar. Bereits elf Jahre später sind bei Hewlett-Packard 200
Menschen beschäftigt, und die Firma gilt als eine der größten im Bereich
Messinstrumente.
1941
Relaisrechner Z3 von Konrad Zuse mit Lochstreifenprogramm, Relaisspeicher und
Relaisrechenwerk. Die Untersuchung von Germanium erbringt die Erkenntnis über
den Transistoreffekt.
1942
Im August wird von John W. Mauchly (USA) die Grundlage für das ENIAC-Projekt
vorgestellt. Ab März des folgenden Jahres wird das Projekt mit Hilfe von J. P.
Eckert ausgearbeitet, und eine elektronische Rechenanlage entsteht kurz nach dem
Krieg.
1944
Im Mai wird der von Howard H. Aiken (USA, 1900–1973) entworfene „Mark I"
fertiggestellt und trägt den Zweitnamen „IBM Automatic Sequence Controlled
Calculator". Für eine Division benötigte der raumfüllende Riese 11,4 Sekunden,
für eine Multiplikation sechs und für eine Addition ganze 0,3 Sekunden. Gebaut
aus ca. 700.000 Einzelteilen und 80 Kilometern Leitungsdraht, wurde die externe
Programmsteuerung über Lochstreifen auf Basis des dekadischen Systems
realisiert.
1945
In den Wirren des endenden Weltkriegs beendet das Team um Konrad Zuse die 1942
begonnenen Arbeiten an der Z4-Rechenmaschine. Die in Göttingen vorgestellte
Relaisrechenmaschine mit mechanischem Speicher konnte 32-Bit-Wortlängen
verarbeiten und benötigte für eine Multiplikation 3,5 Sekunden. Das gewaltige
Unikat steht heute im Deutschen Museum in München.
1946
Das ENIAC-Projekt wird abgeschlossen; die erste programmgesteuerte Rechenanlage
bleibt bis Oktober 1955 in Betrieb. 18.000 Röhren und 1500 Relais benötigen 140
Kilowatt Leistung, um eine Addition in 0,2 ms und eine Multiplikation in 2,9 ms
durchzuführen. IBM stellt den elektronischen Rechenstanzer IBM 603 vor, der nur
in kleinen Stückzahlen auf den Markt kam.
Die Entwickler von ENIAC gründeten in Philadelphia eine eigene Firma, die
Eckert-Mauchly Computer Corporation. Die Förderung durch das National Bureau of
Standards konnte jedoch nicht verhindern, dass sie wegen eines defizitären
Auftrags für die Northrop Aircraft Company mit ihrer neu gegründeten Firma „pleitegingen".
Die Kosten für die Entwicklung eines digitalen, speicherprogrammierten Computers
für die Snark-Rakete waren am Ende dreimal so hoch wie die mit Northrop
vereinbarten Kosten. Zudem erreichte der Computer zu keinem Zeitpunkt die
geforderte Leistung.
1947
William Shockley, John Bardeen und Walter Brattain erfinden den ersten
Transistor. Die Massenproduktion begann in den 1950er-Jahren, vor allem als
schneller Schalter und als Komponente in Verstärkerschaltungen.
1948
Der SSEC ist der Nachfolger des Mark I mit hierarchischer Speicherarchitektur
aus Röhren-, Relais- und Lochstreifenspeicher. 6000 Geräte des IBM 604, eines
elektronischen Rechenstanzers, wurden verkauft: 1400 Röhren, programmierbar in
bis zu 60 Schritten über Schalttafeln. Unterstützt werden Vorwärtsverzweigungen,
bedingte Datenübertragung und eingeschränkt auch Programmschleifen. Am
21.06.1948 schrieb der britische Forscher Tom Kilburn für die Small-Scale
Experimental Machine (SSEM) „Manchester Baby" das erste rein elektronisch
gespeicherte Computerprogramm (mit siebzehn Befehlen).
1949
Kurz nach dem Umzug von Berlin nach Sindelfingen wird die DEHOMAG zur IBM
Deutschland. Die lochkartengespeicherte Programmierung löst die
Schalttafelprogrammierung ab: IBM CPC „Card Programmed Calculator". Der
Rechenstanzer 604 und die Tabelliermaschine werden durch einen
elektromechanischen Speicher ergänzt. Dies ermöglichte umfangreichere
Programmierung und Gleitkommaberechnung. Bis 1956 wurden ca. 700 Exemplare
verkauft.
1950
Entwicklung der Rechenmaschinen D1 bis D4a (später C 8205 genannt) an der
Technischen Universität Dresden. Mit dieser Serie werden die ersten Maschinen in
Richtung Computer in der Deutschen Demokratischen Republik entwickelt. Ob es
sich bei diesen Geräten, wie bei so vielen anderen, um Nachbauten bzw. durch
Spionage erlangte Technologien handelte, ist dem Autor nicht bekannt.
1951
Eckert und Mauchly waren Anfang der 1950er-Jahre gezwungen, das
Entwicklungsprojekt UNIVAC an Remington Rand zu verkaufen. Die Fertigstellung
des UNIVAC mit Magnetband folgte jedoch kurz nach dem Verkauf. John von Neumann
fungiert seit 1951 als Berater bei IBM; außerdem wechselten führende Mitglieder
des Institute for Advanced Study (IAS) in Princeton zu IBM. Noch vor dem
IAS-Projekt von von Neumann konnte in England der Rechner EDSAC fertiggestellt
werden. In den folgenden Jahren wurden auf Basis der IAS-Architektur (Dualsystem
anstelle von Bit und Wort) nicht autorisierte Nachbauten in Schweden, der UdSSR,
Israel und Australien fertiggestellt.
1952
Ende 1952 liefert Remington Rand drei weitere Rechenmaschinen in UNIVAC-Bauweise
in den USA aus, unter anderem an das Census Bureau (vergleichbar mit dem
deutschen Statistischen Bundesamt). Vom Typ UNIVAC wurden insgesamt 46 Modelle
gebaut, was Remington Rand zum Marktführer der 1950er-Jahre machte.
Bull beschäftigt 2.200 Menschen. Die Gamma 3 steht unter anderem am CERN und beim CNRS – Europa geht mit französischer Technik von der Elektromechanik zur Elektronik über. Mit der Gamma 3 baut Bull einen elektronischen Rechenzusatz für Lochkartenmaschinen: rund 400 Röhren, 8.000 Germaniumdioden, 48-Bit-Register aus Verzögerungsleitungen, 281 kHz Takt. Von der Gamma 3 werden über 1.200 Stück verkauft – der erste Rechner überhaupt, der die Tausendergrenze überschreitet, und mehr als von der IBM 650. IBM antwortet darauf mit der 1401.
Diehl nimmt in Nürnberg die Serienfertigung der Archimedes-Rechenmaschinen auf – der Einstieg ins Büromaschinengeschäft. Konstrukteure sind unter anderem Rudolf Eggebrecht und Wilhelm Kiel.
1953
IBM 701, das erste „elektronische Datenverarbeitungssystem" aus dem Hause IBM.
Einheiten: Zentraleinheit IBM 701, elektrostatische Speichereinheit IBM 706,
Lochkartenleser IBM 711, Alphabetdrucker IBM 716, Lochkartenstanzer IBM 721,
Magnetbandeinheit IBM 726 (erstmals mit Magnetbändern aus Kunststoff) und die
Magnettrommeleinheit IBM 731.
1954
IBM beauftragt John W. Backus mit der Entwicklung einer wissenschaftlichen,
problemorientierten Programmiersprache.
1955
Seit 1950 diente die angemietete Z4 von Konrad Zuse an der ETH Zürich zur
numerischen Berechnung physikalischer und ingenieurwissenschaftlicher Probleme.
Von 1955 bis 1959 wurde sie schließlich für militärische Forschungsarbeiten in
Frankreich eingesetzt. Dabei beruhten Rechen- und Steuerwerk auf Relais und
Schrittschaltern, während der vergrößerte Speicher wieder mit mechanischen
Komponenten ausgeführt wurde. Zwar wurde beim Bau über die Verwendung von
Elektronenröhren nachgedacht, doch kriegsbedingt waren die 2000 benötigten
Röhren und das erforderliche Entwicklungspersonal nicht aufzubringen. Im VEB
Carl Zeiss Jena (DDR) wird der OPREMA entwickelt.
Die Bull Gamma 3 AET erhält einen Magnettrommelspeicher mit 8.192 Wörtern und wird damit speicherprogrammiert; 1957 verdoppelt die Gamma ET den Speicher auf 16.384 Wörter und bekommt eine Bedienkonsole – eine echte Von-Neumann-Maschine.
1956
Motorola steigt in das Halbleitergeschäft ein. Erste Magnetplatteneinheit mit
beweglichen Schreib- und Leseköpfen (eine Art Festplatte) und damit die
Möglichkeit des Datendirektzugriffs: IBM 305 RAMAC (Random Access Method of
Accounting and Control). Am 04.11.1956 erhalten die Amerikaner William Shockley,
Walter Brattain und John Bardeen für die Entdeckung des Transistoreffekts im
Jahr 1947 den Nobelpreis für Physik. Shockley gründet kurz vor der
Preisverleihung die Firma Shockley Semiconductor Laboratory in Palo Alto. Er
stellt acht Ingenieure ein, die überwiegend von der US-Ostküste stammten und als
die „Shockley Eight" in die Computergeschichte eingehen. Bereits innerhalb des
ersten Jahres kommt es zu Unstimmigkeiten unter den Experten – der Ausstieg von
Robert Noyce und Gordon Moore führt 1957 zur Gründung von Fairchild
Semiconductor. Thomas J. Watson Sr., langjähriger Präsident und Mitbegründer von
IBM, stirbt im Alter von 82 Jahren.
Diehl übernimmt die Junghans AG, damals die größte Uhrenfabrik Europas. Damit gehört der Firma eine der wichtigsten deutschen Adressen für Präzisions- und später Elektroniktechnik.
1957
Ein neuer Magnettrommelspeicher der Firma IBM wird unter dem Namen 650
vorgestellt; statt der geplanten 250 wurden 2200 Exemplare dieses an eine
Rechenmaschine angeschlossenen Speichers für zweitausend Wörter verkauft. Das
Nachfolgemodell des Systems 701 – das System 704 mit erstem FORTRAN-Compiler,
entwickelt von einer Gruppe um John W. Backus – wird vorgestellt. Im VEB Carl
Zeiss Jena (DDR) wird die ZRA 1 entwickelt. Dr. Robert Noyce gründet mit einigen
Kollegen die Fairchild Semiconductor Corp. Der Gründung von Fairchild folgen
weitere Firmengründungen wie AMD oder National Semiconductor, die vielfach auf
Fairchild oder Shockley zurückzuführen sind. Am 01.06.1957 gründen die Gebrüder
Kashio die Casio Computer Co., Ltd., und beginnen, relaisbasierte
Rechenmaschinen zu vertreiben; das erste Modell, der Casio 14-A, basierte auf
342 Relais.
Bull kündigt die Gamma 60 an – einen Rechner, dessen Architektur eigens auf Parallelität ausgelegt ist. Bis zu 25 spezialisierte Einheiten arbeiten gleichzeitig an Arithmetik, Logik und Vergleichen.
1958
Entwicklung des Transistors.
1959
IBM stellt unter der Produktbezeichnung IBM 1401 ein transistorbasiertes
EDV-System mit gedruckten Platinen und Ferritkernspeicher vor. 1959 ist auch das
Geburtsjahr des Planartransistors: Die Herstellung der Transistoren erfolgte
erstmals durch ebene Dotierungsschichten mithilfe der Diffusion.
1960
Die Bull Gamma 60, angekündigt 1957, scheitert an ihrer eigenen Zeit: 370
Quadratmeter Stellfläche, hohe Betriebskosten – und vor allem fehlen Compiler,
die die Parallelität automatisch nutzen. Solche gibt es erst Ende der 1990er.
Die erste Gamma 60 wird ausgeliefert: nach heutiger Lesart der erste
Mehrfaden-Rechner der Welt, angepriesen mit 600.000 Ziffern je Sekunde. Gebaut
werden nur etwa 17 bis 20 Stück.
1962
Bull gerät in eine schwere Krise; der Gewinn sinkt auf ein Prozent des Umsatzes.
Die teure Entwicklung der Gamma 60 und der Druck von IBM treffen zusammen.
1963
IBM entwickelt den Wechselplattenspeicher 1311. Das ca. 1×1 Meter große Gerät
speicherte auf sechs Magnetplatten bis zu 2,68 Megabyte an Informationen bei
einer Übertragungsrate von 69 Kilobyte pro Sekunde und einer Zugriffszeit von
150 ms. Die Rechenmaschinen SER 2a bis SER 2d werden im VEB Rechenelektronik in
Meiningen/Zella-Mehlis (DDR) entwickelt. Der erste vollelektronische
Taschenrechner wird von Sumlock (England) vorgestellt und trägt die Bezeichnung
ANITA (A New Inspiration To Arithmetic).
Die „Affaire Bull“ wird zum Politikum: Frankreichs größter Rechnerhersteller ist zahlungsunfähig und soll an ein US-Unternehmen gehen.
Mit der transmatic bringt Diehl eine druckende Vierspeziesmaschine heraus – eine der bekanntesten deutschen Büromaschinen ihrer Zeit und die Grundlage für den Schritt in die Elektronik.
1964
Erstes System von IBM, das „aufwärtskompatibel" ist. Zwei Betriebssysteme:
DOS/360 für kleine und mittlere Modelle sowie OS/360 für die großen Systeme, mit
Transistorschaltkreisen in Modulen (SLT-Karten, Solid Logic Technology;
Uniprozessor, 24-Bit-Adressierung, Realspeicher von ca. 128 Kilobyte).
1964 konnten die ersten TTL-Schaltkreise industriell frei eingesetzt werden. Die
74er-Serie wurde geschaffen und genießt bis heute Standardcharakter. Neben
Gatterfunktionen entstanden die ersten Flipflops und Speicherbausteine. Zur
gleichen Zeit kreierte Fairchild den ersten „Metal Oxide Semiconductor", die
MOS-Technik in „P-Channel Enhancement", also P-Kanal-Anreicherung. Neben der
TTL-Technik entstand die MOS-Technik, die sich wesentlich kleiner integrieren
ließ als vergleichbare TTL-Bauteile. MOS-Schaltungen sind nicht sehr schnell,
benötigen jedoch wenig Energie.
Die ersten P-MOS-RAM-Bausteine arbeiteten mit den ungewöhnlichen
Betriebsspannungen von −12,5 V und +19 V. Noch im gleichen Jahr entstanden die
ersten integrierten Schaltungen mit passiven (Widerstände, Kondensatoren,
Spulen) und aktiven (Verstärker) Komponenten.
GE-Bull nimmt zwei Bull-Rechner aus dem Programm. Genau dieser
Vorgang wird in Paris als Beleg dafür gelesen, dass ausländische Eigentümer
nationale Technik einfach abschalten können. General Electric und Bull gründen
das Gemeinschaftsunternehmen Bull-General Electric; die französische Seite hält
51 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt zu diesem Zeitpunkt 15.600 Menschen.
In der Sowjetunion wird der erste elektronische Taschenrechner unter der
Bezeichnung Wega vorgestellt.
1965
Datenverarbeitungsanlagen der dritten Generation, basierend auf integrierten
Schaltungen. Es entstehen erstmals Rechneranlagen, die zueinander kompatibel
sind. Die Kernfunktionen der Computer werden durch ein Mikroprogramm gesteuert.
Das Prinzip des virtuellen Speichers wird eingeführt. Des Weiteren entstehen
erste sogenannte Teilnehmer-Rechensysteme.
Das IBM-System 360/75 erreicht im relativen Leistungsvergleich zum 1952
entwickelten IBM 701 die 108-fache Geschwindigkeit; im Vergleich zum 1958
entwickelten IBM-7090-System erreicht das 360/75 immerhin die fünffache
Leistung. 1965 wird zudem ein Meilenstein in der analogen Halbleitertechnik
erreicht: Der Operationsverstärker µA709 entsteht. Die DTL-Technik konnte
verbessert und mit Dünnfilmwiderständen versehen werden; die ersten Schaltkreise
mit Präzisionswiderständen wurden gefertigt.
1966
Aus der Standard-TTL-Serie kommen 1966 die schnellen TTL-Bausteine wie die
High-Speed- und die Schottky-Technik. Der erste N-Kanal-Transistor im „Depletion
Mode" geht in Fertigung und revolutioniert die Herstellung von
Speicherbausteinen.
Charles de Gaulle beschließt den Plan Calcul. Auslöser sind die Bull-Übernahme und die Weigerung der USA, Rechner für das französische Atomwaffenprogramm zu liefern. Über 100 Millionen Dollar fließen in den ersten fünf Jahren. Als Herzstück des Plan Calcul entsteht die Compagnie Internationale pour l'Informatique (CII), die zunächst Entwürfe von Scientific Data Systems in Lizenz baut. Aus ihr kommen später die Großrechner Iris 50/80 und der Minirechner Mitra 15.
Als Arbeitsspeicher dient bei Diehl ein magnetostriktiver Laufzeitspeicher: Schallimpulse laufen durch einen aufgerollten Draht und werden am Ende wieder in Strom umgesetzt. Je länger der Draht, desto größer der Speicher – rund 11.000 Bit. Die im selben Jahr vorgestellte Olivetti Programma 101 ist technisch weiter: Sie speichert Programme bequem auf Magnetkarten und kostet 14.800 DM plus Steuern. Diehl hat das bessere Rechenwerk, Olivetti die bessere Bedienung.
Diehl stellt auf der Hannover Messe die combitron vor: einen programmierbaren Tischrechner, gebaut in Nürnberg, 26,5 Kilogramm schwer. Sie gehört weltweit zu den ersten Geräten dieser Art.
1967
Mit dem IBM-System 360/20 wird der Endpunkt der Lochkartenmaschinen markiert.
Ein Betriebssystem ersetzte die „festverdrahteten" Arbeitsprozesse, im Herzen
der Anlage arbeitete ein 64 Kilobyte großer Magnetkernspeicher. 1967 entsteht
die erste „Large Scale Integration" (LSI-Technologie); sie bringt bis zu 150
Gatterfunktionen in einem Chip unter. Dieser Baustein bildete die Basis für eine
neue Computergeneration. Im gleichen Jahr war die erste 8-Bit-Recheneinheit mit
Arithmetik und Akkumulator erhältlich. Im VEB Kombinat Robotron (DDR) wird der
R300-Rechenautomat entwickelt.
1968
Dr. Robert Norton Noyce zieht sich aus Fairchild Semiconductor zurück und
gründet mit Gordon E. Moore die Firma Intel.
Die combitron S löst bei Diehl das Ursprungsmodell ab: zehn Programmspeicher, zehn Konstantenspeicher und zwei Sprungbefehle mehr, dazu der Lochstreifenleser Dilector. Gebaut wird sie bis 1971.
1969
Intel, das sich bis dato in erster Linie mit der Entwicklung von
Speicherbausteinen befasst hatte, erhält von der japanischen Firma Busicom den
Auftrag, einen integrierten Schaltkreis für einen Taschenrechner zu entwickeln.
Mit der Entwicklung wird Marcian „Ted" Hoff betraut, der gerade sein Studium
abgeschlossen hatte und Erfahrung mit Minicomputern besaß. Aufgrund dieser
Erfahrung empfahl Hoff die Entwicklung eines Universalschaltkreises: Ein solcher
könnte das Problem der Taschenrechner lösen, da nicht jedes Mal ein komplettes
System neu entwickelt werden müsste, wenn die Rechnerschaltung gleich bleiben
dürfte. Robert Noyce, der Chef von Intel, ermutigte Hoff, die Entwicklung trotz
Bedenken von Busicom durchzuführen.
Mitte des Jahres kam Stan Mazor von Fairchild Semiconductor zu Intel und wurde
Hoff bei der Entwicklung des Schaltkreises zur Seite gestellt. Da die
Produktionskosten für die erste Produktreihe des Schaltkreises recht hoch waren,
war es dem guten Verhandlungsgeschick von Intel zu verdanken, dass Busicom für
rund 60.000 US-Dollar einen Exklusivvertrag für die Verwendung des
Mikroprozessors erhielt. Als die Finanzierung gesichert war, trat mit Federico
Faggin, ebenfalls einem Ex-Fairchild-Mitarbeiter, der dritte Ingenieur ins Team,
und der Entwurf des Schaltkreises wurde umgesetzt. Der spätere Name des
Prozessors, i4004, wird von Federico Faggin wie folgt erklärt: 4000
Transistorfunktionen, 4 Bit und die vierte Version (die Prototypen i4000, i4001,
i4002 und i4003 hatten kleinere Fehler und wurden nie in Serie produziert).
1970
Mit dem i4004 stellt Intel den allerersten Mikroprozessor vor: ein 4 Bit breiter
Datenbus und ein 12-Bit-Adressbus auf Basis der PMOS-Technologie. Auf einer
Wafergröße von nur 24 Quadratmillimetern bringen die Intel-Entwickler 2250
Transistorfunktionen unter. Bereits im April stellt die Firma Busicom einen
Tischtaschenrechner mit Druckwerk auf Basis einer i4004-CPU unter der
Bezeichnung 141-PF vor. Der Exklusivvertrag, den Intel mit Busicom geschlossen
hatte, erweist sich als Hindernis für die weitere Vermarktung des i4004. Ende
des Jahres kauft Intel die Rechte am Prozessor zurück, nachdem Busicom um eine
Preissenkung gebeten hatte. Neben dem Einbau in Taschenrechnern würde sich der
Prozessor auch gut für den Einsatz in Mess- und Steuersystemen eignen.
Die Anfrage einer anderen Firma, den Prozessor in Terminals einsetzen zu wollen,
konnte in der ursprünglichen Variante nicht umgesetzt werden, da die
4-Bit-Technologie für die Darstellung von Zeichen, die 8 Bit benötigen, nicht
ausreichte. Hoff und seine Kollegen begannen mit der Entwicklung des i8008,
einer auf 8 Bit erweiterten Version des i4004. Doch bevor ein marktreifes
Produkt vorlag, sprang der Kunde ab, und Intel hatte einen fast fertigen
Prozessor sowie investierte Entwicklungskosten – aber keinen Kunden mehr. 1972
begann Intel mit einer Werbekampagne für den Prozessor.
IBM stellt das System IBM S/370 vor, das erste IBM-System mit monolithischem
Speicher (IC) anstelle der bisher eingesetzten Ferritkerne. Pro Speicher-IC
wurden typischerweise 128 Bit erreicht.
Honeywell übernimmt die GE-Anteile; das Unternehmen heißt nun Honeywell Bull. Die französische Rechnerindustrie ist damit zum zweiten Mal in sechs Jahren in amerikanischer Hand.
1971
Commodore stellt seinen ersten Taschenrechner vor (hergestellt von Bowmar), das
Modell C-110. Das heute weltberühmte Tal in Kalifornien, „Silicon Valley",
erhält seinen Namen vom Journalisten Don Hoefler. Hoefler berichtet in seinem
Artikel über die moderne Halbleiterindustrie im Santa Clara County und
bezeichnet diese Region als „Silicon Valley". Geografisch handelt es sich dabei
nicht um ein Tal, sondern um ein Areal von rund 20 × 40 Kilometern, etwa 70
Kilometer von San Francisco entfernt. Die Region am Südende der San Francisco
Bay ist von Gebirgszügen umgeben: Südlich liegen die Santa Cruz Mountains mit
einer Höhe von rund 800 Metern, nördlich die Diablo Range mit bis zu 1200 Metern
Höhe.
Die Diehl Algotronic ersetzt den Laufzeitspeicher durch Schieberegister: zweimal 21 Bausteine zu je 512 Bit, zusammen rund 20 Kilobit. Ein dreispuriger Bootlochstreifen aus dünnem Stahlband lädt Mikroprogramme für Sinus, Kosinus, Tangens, Logarithmus und Exponentialfunktion. Durch austauschbare Bootstreifen lässt sich der Funktionsumfang der Algotronic wechseln – ein früher, sehr handfester Vorläufer dessen, was später Firmware-Update heißt.
Bei Motorola beginnt Ende 1971 die Arbeit an einem eigenen Mikroprozessor. Eine erste Marktstudie sieht nur 18.000 verkaufte Stück in fünf Jahren voraus – das Projekt steht damit von Anfang an auf der Kippe.
1972
Datenverarbeitungsanlagen der vierten Generation, basierend auf hochintegrierten
Schaltungen. Die ersten Mehrprozessorsysteme, Schnellspeicherkonzepte,
Datenfernübertragung und Datenbanksysteme werden entworfen. Intel erweitert den
i4004 zum i4040. Die Werbekampagne „A Computer in a Chip" wird von Intel
gestartet, um Kunden für den i8008 zu gewinnen. Im April des gleichen Jahres
wird der i8008 vorgestellt, mit 3300 Transistorfunktionen, einem 8-Bit-Datenbus
und einem 16-Bit-Adressbus. Damit Kunden mit dem i8008-Prozessor etwas anfangen
konnten, benötigten sie eine Dokumentation. Diese wurde von Adam Osborne
erstellt, dessen spätere Bücher und die i8008-Dokumentation einen entscheidenden
Schritt auf dem Weg zum Personal Computer darstellen.
Neben Osborne wurde Gary Kildall als Berater bei Intel eingestellt, um die
Dokumentation des Prozessors zu übernehmen. Hauptberuflich war Kildall als
Dozent an einer Armeeschule für Informatik tätig, sein Interesse galt jedoch dem
Mikroprozessor. Bei Intel erhielt er die Möglichkeit, auf einem
Entwicklungssystem kleine Programme für den Prozessor zu schreiben. Er fasste
einige kleinere Routinen unter einem PL/1-Compiler zusammen und nannte dies „Control
Program for Microcomputers" (CP/M). Die Implementierung ermöglichte die Nutzung
von Peripherie an den Rechnern, ohne jedes Mal die Treiber für Zusatzgeräte neu
einbinden zu müssen. CP/M wurde für einige Jahre das führende Betriebssystem
kommender Mikrocomputergenerationen.
Das erste Videospiel der Welt wird von Nolan Bushnell für Atari entworfen: Pong.
Im Osten Deutschlands wird mit dem R21 der Nachfolger des R300-Rechenautomaten
im VEB Kombinat Robotron entwickelt.
Robert Albrecht, in den 1960er-Jahren als Ingenieur bei der Control Data
Corporation beschäftigt, gründete das „Portola Institute". Das Institut hatte
sich dem Know-how-Transfer im Bereich Computertechnik verschrieben; auch Ted
Nelsons Buch „Computer Lib" wurde davon beeinflusst. In der Nähe von San
Francisco wird die „People's Computer Company" (PCC) gegründet. Die PCC
gab eine Blattsammlung zum Thema Computer heraus, quasi eine der ersten
Computerzeitschriften – die erste Ausgabe erschien 1972.
CTM (Computer Technik Müller) entwickelt die 16-Bit-Modellfamilie CTM 70; das Gehäusedesign stammt von Hartmut Esslinger, dem späteren Apple-Designer. 1973 nennt die Preisliste die Modelle 70/400 und 70/500.
Diehl stellt die Produktion mechanischer Tischrechner ein. Nach zwanzig Jahren endet damit in Nürnberg die Ära der Zahnräder; was bleibt, ist Elektronik.
Anfang 1972 stellt Link Young einen möglichen Auftrag der National Data Corporation über 200.000 Stück in Aussicht. Erst diese Zahl rechtfertigt intern die Entwicklung des 6800 bei Motorola.
1973
Intel treibt die Entwicklung voran und stellt mit dem i8080 einen Prozessor mit
4500 Transistorfunktionen und einer maximalen Taktfrequenz von 3,125 MHz vor.
Die ursprüngliche Variante wurde mit einem Takt von 1 MHz vermarktet und hatte
eine Leistung von rund 0,29 MIPS. Später folgte das Nachfolgemodell i8080A mit
4000 Transistorfunktionen in NMOS-Technik. Der i8080 verbrauchte ca. 1,5 Watt
Leistung und konnte 64 Kilobyte adressieren.
Im VEB Kombinat Robotron (DDR) wird der EC 1040 entworfen.
Die französische Firma R2E bringt den Micral N in den Handel – 8.500 Francs, Intel 8008 mit 500 kHz. Entwickelt hatte ihn François Gernelle ab Juni 1972; im Januar 1973 ging das erste Gerät an das Agrarforschungsinstitut INRA. Der Micral N gilt als einer der frühesten kommerziellen, nicht als Bausatz verkauften Personal Computer. 1986 sprach ihm eine Jury im Computer Museum Boston – darunter Steve Wozniak – den Titel des ersten Personal Computers mit Mikroprozessor zu.
Diehl bringt den Tischrechner alphatronic heraus. Bemerkenswert: Dafür entwickelt die Firma einen eigenen Mikroprozessor, der im Auftrag von Diehl bei General Instrument gefertigt wird – ein deutscher Hausprozessor zur Zeit des Intel 8008.
Das Entwicklungsteam bei Motorola um Chefarchitekt Tom Bennett umfasst unter anderem Jeff LaVell, Mike Wiles, Gene Schriber, Doug Powell, John Buchanan sowie Chuck Peddle und Bill Mensch – die beiden Letzteren entwerfen später den 6502.
1974
Motorola stellt seine erste „Central Processing Unit" (CPU, Hauptprozessor)
unter dem Namen MC6800 vor. Der 8-Bit-Parallelprozessor verfügte über einen
16-Bit-Adressbus, mit dem 64 Kilobyte Speicher adressiert werden konnten, sechs
interne Register, Direct Memory Access (DMA) sowie die Option, den 6800er in
einem Multiprozessorsystem einzusetzen. Die Taktrate lag üblicherweise bei 2,0
MHz. Die MC68xxC-Variante konnte in Temperaturbereichen von −40 bis +85 °C
eingesetzt werden, die Leistungsaufnahme betrug ca. 1,0 Watt. Auf dieser
8-Bit-Basis folgten viele Weiterentwicklungen von Motorola, AMI, Fairchild,
Hitachi und Thomson. Der MC68B09 markiert den Höhepunkt auf der 8-Bit-Basis; mit
einem maximalen Prozessortakt von 8 MHz wurde dieser Prozessor bis weit in die
1980er-Jahre gebaut.
Die Firma MITS bringt den ersten Mikrocomputer namens Altair 8800 auf den Markt;
mit 256 Byte Arbeitsspeicher war er für Hobbyelektroniker mit 395 US-Dollar
leicht finanzierbar. Gemeinhin wird der Altair als der erste Mikrocomputer
bezeichnet, obwohl es zuvor vergleichbare Computer gab, die allerdings kaum
Bekanntheit erlangten und nur als Prototypen oder Kleinserien existierten. Die
Geschichte des Altair ist durchaus interessant: Die Firma MITS stand aufgrund
des Preiskriegs im Taschenrechnermarkt kurz vor dem finanziellen Ruin. Die
Zeitschrift „Radio Electronics" veröffentlichte im Juli 1974 einen Bauplan für
einen Computer auf Basis des Intel-i8008-Prozessors. Diese Vorstellung des
Bauplans, verbunden mit weiterführenden Artikeln und Besprechungen, brachte der
Zeitschrift eine deutlich größere Leserschaft.
Das Konkurrenzmagazin „Popular Electronics" wollte diese Vorgehensweise
nachahmen, um ebenfalls die Leserschaft zu vergrößern. Genau in diese
Überlegungen platzte ein Treffen von Ed Roberts (MITS) und Leslie Solomon, dem
Chefredakteur von „Popular Electronics". Beide einigten sich auf eine Strategie,
und die Januarausgabe 1975 erschien unter dem Titel „Altair". In dem Bericht
hieß es unter anderem, dieser Bausatz sei durchaus in der Lage, mit
kommerziellen Produkten mitzuhalten, und koste gerade einmal 35 US-Dollar mehr
als der eigentliche Prozessor.
Der Erfolg war für MITS schlicht unglaublich – Ed Roberts hatte gehofft, einige
Hundert Bausätze zu verkaufen; innerhalb weniger Tage waren es über 2000
Bestellungen, und MITS war gerettet – ein Meilenstein in der Computergeschichte
war gesetzt.
Da es keine Software für die Mikrocomputer gab, musste alles in Maschinensprache
geschrieben werden. Bill Gates und Paul Allen schrieben für den Altair die
Programmiersprache BASIC. Eine besondere Herausforderung aus heutiger Sicht ist
die Tatsache, dass alles in einem 4 Kilobyte großen ROM untergebracht werden
musste. Scelbi Computer Consulting stellt ebenfalls einen ersten kommerziellen
Homecomputer vor, den Scelbi-8H, basierend auf einem Intel 8008; dieses Gerät
konnte sich jedoch nicht mit dem Erfolg von MITS messen. Mark-8 hieß ein
weiterer Bausatz, von dem es heißt, dass nur wenige Enthusiasten das Modell mit
einem Intel-i8080-Chip fertigstellten.
Das Ende der Lochstreifen bahnt sich in Form von Diskettenlaufwerken an: Das
neue Massenspeichersystem 3850 wird von IBM als Konzept des virtuellen
Plattenspeichers vorgestellt. Es handelt sich um eine automatisierte
Kassettenbibliothek mit einer maximalen Speicherkapazität von 472 Milliarden
Byte, bei der die Vorteile der Platten- und Magnetbandspeicherung kombiniert
werden. Das System 3850 besteht aus der Bibliothekseinheit Modell 3851, dem
bekannten Magnetplattensystem 3330/3333 und der neuen Plattensteuerung 3830,
Modell 3. Die Bibliothekseinheit enthält den Zugriffsmechanismus sowie die
Lese-/Schreibstationen für die Datenpatronen. Die kleinste Einheit des neuen
Systems ist die Datenkassette in einem patronenförmigen Gehäuse, weshalb sie
auch als „Datenpatrone" bezeichnet wird. Die Datenkassetten werden in
wabenähnlichen Zellen untergebracht. Jede Bibliothekseinheit besitzt eine
Ein-/Ausgabestation, an der die Bandkassetten von Hand eingelegt oder
herausgenommen werden. Ein Kassettensensor meldet der Steuerung, wenn sich eine
Kassette in der Station befindet. Die Kassette (Abmessungen: 5 cm Durchmesser,
10 cm Höhe) speichert auf einem 7,5 cm breiten und 20 cm langen Band 50
Millionen Byte. Der Kaufpreis für eine Datenpatrone beträgt 65 DM in der BRD und
20 US-Dollar in den USA. Das Band ist ähnlich einer Platte in 202 Zylinder mit
19 Spuren pro Zylinder und 13.030 Byte pro Spur organisiert. Jeweils zwei
Kassetten nehmen die Daten einer IBM 3330 auf und bilden zusammen einen
„Massenspeicherdatenträger". Diese plattenähnliche Organisation erlaubt es, die
Daten der Kassette auf 3330-Platten zu duplizieren. Die Massenspeichersteuerung
veranlasst den mechanischen Transport der Patrone in die Schreib-/Lesestation,
wo das Band abgespult und gelesen wird, und die Datenübertragung in den Puffer
der Plattensteuereinheit. Der Pufferinhalt wird dann auf den angeschlossenen
Magnetplattenspeicher 3330 übertragen. Nach der Zwischenspeicherung der Daten
auf der Platte wird die Patrone wieder in ihre Wabe zurücktransportiert. Das
Herausholen und Zurücktransportieren der Datenpatrone erfolgt automatisch. IBM
gibt folgende Werte für den mechanischen Transport an: Holen und
Zurücktransportieren einer Patrone 3–8 Sekunden, Laden und Entladen der Kassette
insgesamt 10 Sekunden. Die Datenübertragungsrate beträgt 874 Kilobyte pro
Sekunde.
ITEL hat DOS/VS von IBM so verändert, dass es auf einer 360/50 laufen kann. Die
Hardware der sogenannten Super 360 ist altbekannt: ein Halbleiterspeicher,
kompatible 3330-Platten und 3420-Bänder. Das Besondere liegt jedoch laut ITEL
darin, dass neue Befehle für die 360 entwickelt wurden. Damit kann der Anwender
der Super 360 sein System so programmieren, als wäre es eine 370 mit virtuellem
Speicher. Die „überarbeitete" Software bietet mehr Flexibilität als das
konventionelle DOS, und bereits durchgeführte Benchmarktests zeigen schnellere
Durchsatzraten als beim unveränderten DOS/VS. So betrugen laut ITEL die
Assembler-Testlaufzeiten bei der Super 360 3,32 Minuten und beim 370/145-System
4,38 Minuten. Der zusätzliche Vorteil liegt darin, dass jedes Anwendungsprogramm
mit 370-Befehlen nun auch auf der Super 360/50 laufen kann. ITEL konfiguriert
das System mit der doppelten Hauptspeicherkapazität, die ein Benutzer einer
370/135 bräuchte, und emuliert dann den virtuellen Speicher im größeren
Hauptspeicher. Für die meisten Benutzer virtueller Systeme bietet ITEL als
praktische Konfiguration eine CPU mit 256 K und 256 K virtuellem Speicher an.
Intel stellt den i8080-Prozessor mit 6000 Transistorfunktionen vor.
Roland Moreno lässt sich in Frankreich eine gesicherte Speicherkarte patentieren – die Geburtsurkunde der Chipkarte.
Chuck Peddle verlässt Motorola mit sieben Kollegen Richtung MOS Technology, weil das Management seinen Vorschlag eines radikal billigen Prozessors ablehnt. Ein Jahr später steht dort der 6502 – der schärfste Konkurrent des eigenen 6800.
1975
Auf der Titelseite des weltweit auflagenstärksten Hobby-Elektronik-Magazins, „Popular
Electronics", erscheint der Altair 8800 und löst damit für MITS einen
kommerziellen Erfolg aus – allein in diesem Jahr wurden 2000 Einheiten
abgesetzt. MITS hatte gehofft, ca. 400 Altair zu verkaufen; diese Zahl
verkauften sie nach dem Titelseitenerfolg an einem einzigen Abend, binnen drei
Wochen nahmen sie 250.000 US-Dollar ein. Noch im gleichen Jahr kam der Altair
680 auf den Markt, basierend auf einem Motorola-6800-Prozessor. Unter dem Namen
8080 erscheint der erste Clone der Computergeschichte von IMSAI.
In den USA bilden sich die ersten Computerclubs, der bekannteste ist der „Homebrew
Computer Club" von Gordon French im Silicon Valley. Hier werden Steve Jobs und
Steve Wozniak später ihren Apple-Computer vorstellen. DEC kündigt sein erstes
32-Bit-System an. Die amerikanische Zeitschrift „Byte" wird das erste
Computermagazin der Welt. IBM stellt Ende des Jahres das Modell 5100 vor, den
ersten Personal Computer. Für einen Preis von 15.000 DM erhielt der Käufer einen
16 Kilobyte großen Arbeitsspeicher und einen BASIC-Interpreter und konnte extern
ein Audiokassettenlaufwerk als Massenspeicher anschließen. Aufgrund des Preises
verkauften sich auch die Folgemodelle 5110 und 5120 eher schleppend. Mit dem
Modell 5150 entwickelte IBM den Vorläufer des späteren System/23 Datamaster, das
als Vorgänger der heutigen PC-Serien angesehen werden kann. Kildall gründet in
Kalifornien die Softwarefirma „Digital Research" und vertreibt das
Betriebssystem CP/M. MOS Technology stellt den 6502-Prozessor vor, eine
8-Bit-CPU mit 1 MHz und einer Leistung von rund 0,3 MIPS, die pinkompatibel zum
Motorola-6800-Prozessor ist.
Unter der Bezeichnung Elektronika B3-18 wird in der Sowjetunion der erste
wissenschaftliche Taschenrechner hergestellt.
Masatoshi Shima stößt im Februar 1975 zu Zilog. Er hatte bereits bei Busicom und
Intel mit Faggin am 4004 und am 8080 gearbeitet und wird beim Z80 für
Logikentwurf und Layout verantwortlich – das dritte Mitglied des legendären
Trios. Im April 1975 nimmt der künftige Z80 eine wichtige Hürde: Der erste
Entwurfsdurchlauf des Z80 ist abgeschlossen. Das Konzept: volle
Binärkompatibilität zum Intel 8080, dazu neue Register, Blockbefehle,
Bitoperationen und ein eingebauter DRAM-Refresh. Einen Monat später ist das
Logik-Layout des Z80 ist fertig. Der Chip entsteht ohne Mikrocode mit einem
vergleichsweise komplexen Befehlsdecoder – handgezeichnet, wie damals üblich. Im
Juni steigt Exxon Enterprises steigt mit 500.000 US-Dollar bei Zilog ein. Der
Ölkonzern will über seine Wagniskapitalsparte in die Elektronikbranche – eine
Verbindung, die Zilog später teuer zu stehen kommt.
CII und Honeywell Bull werden zur CII-Honeywell-Bull verschmolzen. Präsident Giscard d'Estaing beendet den Plan Calcul und lässt das europäische Gemeinschaftsprojekt Unidata auslaufen.
Die Diehl Datensysteme GmbH übernimmt 51 Prozent an CTM. Diehl ist damit nicht mehr nur Tischrechnerhersteller, sondern am Bau kommerzieller Mehrplatzrechner beteiligt.
Motorola bietet das Bausatz-Kit MEK6800D1 mit sechs Chips und Handbüchern für 300 US-Dollar an – der Einstieg für Entwickler und Bastler in die 6800-Welt.
Nach der Vorstellung des 6502 für 25 Dollar senkt Motorola den Einzelpreis des 6800 von 360 auf 69 US-Dollar; im Mai 1976 folgt die nächste Stufe auf 35 Dollar. Der Preiskrieg der Mikroprozessoren ist eröffnet.
Southwest Technical Products (SWTPC) bringt das SWTPC-6800-Computersystem heraus – einer der ersten Mikrocomputer für den freien Markt und Stammvater des weit verbreiteten SS-50-Bus.
1976
Intel stellt den i8085A vor, der zu 100 % kompatibel zum i8080 ist, mit 6200
Transistorfunktionen bei bis zu 6 MHz aber wesentlich leistungsfähiger.
Entwickelt wurden der i8085A und i8085AH in HMOS-Technik. Später folgten zwei
Weiterentwicklungen, i8085AH-1 und i8085AH-2, beide leistungsfähiger und
schneller.
Steve Jobs und Steve Wozniak stellen den Apple I vor, einen auf dem 6502
basierenden Computer mit 16 Kilobyte Arbeitsspeicher und einem 16 Kilobyte
großen ROM, für 1298 US-Dollar. Die Firma Cromemco stellt mit dem Cromemco TV
Dazzler die erste Farbgrafikkarte für den MITS-Altair vor, mit 128×128 Pixel
Auflösung und 512 Byte Speicher, für 215 US-Dollar. Shugart stellt die
5,25″-Diskettenlaufwerke unter dem Namen „Minifloppy" für 390 US-Dollar vor.
„Electric Pencil" von Michael Shrayer wird das erste Textverarbeitungsprogramm
der Welt.
Bernard Peuto, im Januar 1976 von Amdahl zu Zilog gekommen, beginnt die
Architekturarbeit am 16-Bit-Nachfolger Z8000 und stellt den Befehlssatz in drei
Monaten fertig.
Im August 1976 kommen die ersten Z80-Muster von Mostek zu Zilog zurück – nach
heutigen Maßstäben bemerkenswert fehlerarm. Von der Firmengründung bis zum
funktionierenden Silizium vergehen keine anderthalb Jahre.
Masatoshi Shima startet bei Zilog die Layout-Arbeit am Z8000 – parallel zum
gerade anlaufenden Z80-Geschäft.
Offizielle Markteinführung des Zilog Z80 ist der 11.06.1976, Preis anfangs rund
200 US-Dollar pro Chip. Der Z80 führt Software des Intel 8080 unverändert aus,
bietet aber mehr Register, mehr Befehle und höheren Takt.
In Konstanz werden für CTM/Diehl jährlich rund 2.000 Rechner gefertigt. CTM baut außerdem den 8-Bit-Rechner TA 1000 für Triumph-Adler – davon werden etwa 10.000 Stück verkauft.
Colin Crook startet bei Motorola das Projekt MACSS (Motorola Advanced Computer System on Silicon). Ziel ist kein aufgebohrter 6800, sondern ein völlig neuer 16/32-Bit-Prozessor.
Zweitquellen fertigen den 6800 mit: zunächst American Microsystems (AMI), später Hitachi, Fujitsu, Fairchild, Rockwell und Thomson. Damit ist der 6800 auch für Industriekunden dauerhaft verfügbar.
MITS liefert den Altair 680 aus, die 6800-Variante des berühmten Altair 8800. Microsoft lizenziert dafür sein 6800-BASIC pauschal für 31.200 US-Dollar – der erste Schritt weg von der Bindung an einen einzigen Prozessor.
1977
DEC stellt sein erstes 32-Bit-System vor, Betriebssystem VMS. Apple stellt den
Apple II vor, Preis und Leistung blieben gleich. Commodore stellt einen
Homecomputer unter dem Namen „PET 2001" vor.
Tandy/Radio Shack stellt den TRS-80 Model I vor: Z80 mit 1,77 MHz, 399 US-Dollar (599 mit Monitor und Kassettenrecorder). In den ersten sechs Wochen werden über 10.000 Stück verkauft, im ersten Jahr 55.000 – der Z80 erreicht den Massenmarkt.
Microsoft BASIC wird veröffentlicht.
Im Mai 1977 verkaufte Firmengründer Ed Roberts das Unternehmen MITS an die Firma
Pertec. Pertec gelang es jedoch nicht mehr, die Firma, die mit dem Altair 8800
Weltruhm erlangt hatte, zu retten.
Ab 1977 ergänzt Zilog den Prozessor um eine eigene Peripheriefamilie: PIO (Parallel-I/O),
CTC (Zähler/Timer), SIO und DART (serielle Schnittstellen) sowie DMA. Das
durchdachte Interrupt-Konzept macht den Z80 zum kompletten Systembaukasten. Ab
etwa 1977 baut Zilog mit weiterem Exxon-Geld eine eigene Halbleiterfertigung auf
und sichert sich damit geschätzte 60 bis 70 Prozent des gesamten Z80-Marktes.
Mostek fertigt den Z80 als Zweitquelle unter der Bezeichnung MK3880; später
kommen Synertek, SGS (Z8400) und weitere hinzu. Zweitquellen sind damals
Voraussetzung dafür, dass Industriekunden einen Prozessor überhaupt einsetzen.
Michel Ugon entwickelt bei Honeywell Bull die erste Chipkarte mit Mikroprozessor, zunächst mit getrennten Bausteinen für Rechenwerk und Speicher. 1978 patentiert er den selbstprogrammierbaren Einchiprechner SPOM – die Architektur aller späteren Chipkarten.
Die Diehl Datensysteme setzt rund 30 Millionen Mark um, zusammen mit CTM etwa 70 Millionen. Triumph-Adler kommt im selben Jahr auf 690 Millionen.
Zum Programm der Diehl Datensysteme gehören auch Textverarbeitungssysteme (SAT 808 und Terminalsystem 809). Diehl Datensysteme, bis dahin bekannt für Tischcomputer für technisch-wissenschaftliche und medizinische Anwendungen, stellt die Minicomputer DS 2000 und DS 3000 vor: 16-Bit-CPU, Bildschirmarbeitsplatz, Floppy-Laufwerke, 70.000 bis 150.000 DM.
Mit dem MC6802 erscheint eine Variante mit 128 Byte RAM und eingebautem Taktgenerator – weniger Zusatzbausteine, billigere Platinen.
Tom Gunter stellt als Chefarchitekt das MACSS-Team bei Motorola
zusammen. Das Ergebnis wird ein Prozessor mit sauberem, weitgehend orthogonalem
Befehlssatz – bei Programmierern über Jahrzehnte beliebt.
1978
Mit einem 16-Bit-internen und -externen Datenbus und einem 20-Bit-Adressbus
kommt der Intel i8086 auf den Markt. Der maximale Adressbereich beläuft sich auf
ein Megabyte. Diese CPU ist der Urvater aller heutigen IBM- bzw.
Intel-kompatiblen Personal Computer. Drei Versionen wurden ausgeliefert: mit 5
MHz als 8086, mit 8 MHz als 8086-2 und mit 10 MHz als 8086-1. Viele große
Chiphersteller, darunter AMD, Fujitsu, NEC und Siemens, clonten den i8086.
Später folgte noch eine 12-MHz-Variante, die jedoch kaum Verbreitung fand. Das
IBM-System 3033 erreicht im relativen Leistungsvergleich zum 1952 hergestellten
IBM-701-System die 832-fache Geschwindigkeit. Die Firma Atari stellt ihre ersten
Homecomputer, die Modelle 400 und 800, vor. Das Softwarehaus MicroPro
veröffentlicht „WordMaster", den direkten Vorläufer des legendären WordStar für
das Betriebssystem CP/M.
Der Österreicher Dr. Hermann Hauser (geboren am 23.10.1948 in Wien als Sohn
eines Weinhändlers) gründete im Dezember gemeinsam mit Chris Curry in England
die Acorn Computer Ltd. Laut einem Interview mit Dr. Steiner, dem damaligen
Acorn-Europa-Manager (1984), suchten Hauser und Curry einen Namen, der im
Telefonbuch vor „Apple" stehen würde, und wählten – um in der „Computerbotanik"
zu bleiben – den Namen „Acorn" (Eichel). Hauser, der bereits im Alter von
fünfzehn Jahren nach Cambridge kam, um Englisch zu lernen, und der zwei Jahre
ältere Curry, der zuvor bei Sinclair Computer gearbeitet hatte, starteten Acorn
mit einer Geschäftseinlage von 100 britischen Pfund.
Ralph Ungermann verlässt Zilog im Streit über den wachsenden Einfluss von Exxon
– er will nicht, dass das Unternehmen zur Exxon-Tochter wird. Später gründet er
den Netzwerkpionier Ungermann-Bass.
Sharp bringt den MZ-80K, einen Kompaktrechner mit Sharps eigenem Z80-kompatiblen
Prozessor LH0080. Sharp wird einer der wichtigsten Z80-Zweitquellen-Hersteller
und liefert später auch Varianten mit 4 und 6 MHz.
Hermann Hauser und Chris Curry gründen in Cambridge die Cambridge Processor Unit Ltd. (CPU) – aus ihr wird Acorn Computers. Aus dieser Firma gehen sowohl der BBC Micro als auch ARM hervor.
Diehl verkauft die Diehl Datensysteme GmbH an Triumph-Adler und erhält im Gegenzug 12,8 Prozent an den Triumph-Werken Nürnberg für nominal 5,9 Millionen Mark. CTM wird zuvor herausgelöst und bleibt bei Diehl.
Der MC6801 kommt als Einchip-Rechner vor allem für die Automobilindustrie heraus. Motorola erschließt damit das Feld, das die Firma über Jahrzehnte trägt: eingebettete Steuerungen.
Terry Ritter und Joel Boney stellen den 6809 fertig: 9.000 Transistoren, 59 Befehle, Hardware-Multiplikation, 16-Bit-Arithmetik und zwei Stapelzeiger für wiedereintrittsfähigen Code – der technisch eleganteste 8-Bit-Prozessor seiner Zeit.
1979
Motorola schließt die Entwicklung des ersten 16-Bit-Hauptprozessors ab und
stellt den MC68000 vor, der später zum Herzstück der Atari-ST-, Amiga- und
Apple-Computerserien wird. Die 2 Millionen Rechenoperationen pro Sekunde
bildeten die Grundlage für intuitive Betriebssysteme mit grafischer Oberfläche.
Taktfrequenzen reichten von 7 bis 16 MHz; auch spätere 68000er nutzten den
gleichen Befehlssatz wie das Urmodell, sodass Programme unverändert auf einem
68008, 68010 oder 68020 usw. liefen. Der i8088 bzw. i80C88 kam als abgespeckte
i8086-Version auf den Markt und verfügte nur über einen 8 Bit breiten externen
Datenbus, was die Kosten für Motherboard und Prozessor deutlich senkte.
Viele Chiphersteller entwickelten Nachbauten, u. a. AMD, Siemens und Harris. Der
8088 ist bei reduzierter Leistung vollständig kompatibel zum 8086. Hayes stellt
das Micromodem 100 mit einer maximalen Datenübertragungsrate von 300 bps für 399
US-Dollar vor. CompuServe wird gegründet. Digital Research gibt Version 2.0 von
CP/M frei, kurz darauf folgt die meistverkaufte Version 2.2. Im VEB Kombinat
Robotron (DDR) wird der EC 1055 entwickelt.
Noch zählen Computer zu den eher mäßigen Schachspielern. Der elektronische
Weltmeister von 1977, „Chess 4.8", betrieben auf einem Rechner „Cyber 176" der
Firma Control Data Corp. (USA), zählt zu den besten 3000 Schachspielern. Von der
bloßen Erhöhung der Anzahl durchgerechneter Stellungen im mittleren Spielverlauf
ist kein weiterer Fortschritt bei der Verbesserung zu erwarten. Der Trend bei
der Entwicklung von Schachsoftware geht hin zu Methoden wie der sogenannten
Shannon'schen „B-Typ"-Strategie, bei der eine selektive Auswahl
durchkalkulierter Spielverläufe erzielt werden soll.
Der Vorläufer der Deutschen Telekom, die Deutsche Bundespost, gibt im Verlauf
des Jahres weitere Funktionsmerkmale im Telefonnetz frei, darunter
Rückrufautomatik und Rufumleitung.
Der 16-Bit-Prozessor Z8000 kommt als Z8001 (segmentiert, 23-Bit-Adressbus) und
Z8002 (16 Bit) heraus. Er ist technisch elegant, aber zu spät: Intels 8086 kam
1978, Motorolas 68000 folgt im September 1979 mit linearem Adressraum.
NEC bietet mit dem µPD780C einen Z80-Nachbau an und baut ihn in eigene Rechner
wie den PC-8001 ein. Laut Zilog-Mitgründer Ungermann hatte ein NEC-Mitarbeiter
ganz zu Beginn zwei Z80 bar bezahlt – kurz darauf gab es den Klon.
Zilog nimmt in Nampa, Idaho, eine eigene Waferfertigung in Betrieb. Zeitweise
arbeiten dort über 500 Menschen an zwei Standorten.
Zilog stellt den Mikrocontroller Z8 vor: Prozessorkern, ROM, RAM und I/O auf
einem Chip, mit bis zu 4.096 registerartig adressierbaren Speicherzellen. Die
Z8-Familie wird für Jahrzehnte das Brot-und-Butter-Geschäft der Firma.
Zur Vermarktung des Z8000 gibt Zilog das Comicheft „Captain Zilog“ heraus – ein
Superheld erklärt Ingenieuren den 16-Bit-Prozessor. Heute ein gesuchtes
Sammlerstück der Technikgeschichte.
Acorn bringt das Einplatinensystem System 1 für rund 80 Pfund heraus, entworfen von Sophie Wilson. Es ist der Einstieg der Firma ins Rechnergeschäft – mit einem 6502.
CTM erreicht 75 Millionen DM Umsatz, 1981 sind es 80 Millionen. Die Konstanzer sind damit einer der größten unabhängigen deutschen Rechnerhersteller.
Triumph-Adler führt den von Diehl übernommenen Namen alphatronic weiter und vertreibt darunter bis 1985 eine ganze PC-Reihe – vom P1 über CP/M-Modelle bis zu MS-DOS-Rechnern.
Franz Hetzenauer und Rob Romein gründen in den Niederlanden die Firma Compudata und importieren amerikanische Mikrocomputer – der Anfang dessen, was später Tulip Computers heißt. Compudata wird europäischer Vertriebspartner für den Exidy Sorcerer, einen Z80-Rechner aus Kalifornien. Als Exidy das Gerät einstellt, baut Compudata es in Lizenz mehrere Jahre lang selbst weiter.
Der MC6805 erscheint als abgespeckter Controller für einfache Steuerungsaufgaben und wird millionenfach verbaut.
Fairlight bringt das CMI heraus, die erste digitale Sampling-Workstation, gesteuert von zwei Motorola 6800. Preis in Großbritannien: 12.000 Pfund. Kate Bush, Peter Gabriel und Stevie Wonder prägen damit den Sound der 1980er.
1980
Beginn der fünften Generation von Datenverarbeitungsanlagen mit
Entwicklungsgrundlagen zur künstlichen Intelligenz (KI).
Der relative Raumbedarf einer VLSI-Schaltung (Very Large Scale Integration)
beträgt im Vergleich zur klassischen Röhre der 1950er-Jahre nur noch 0,002.
Sinclair bringt den ZX80 für 79,95 Pfund als Bausatz bzw. 99,95 Pfund fertig
aufgebaut – der erste Heimcomputer unter 100 Pfund. Verbaut ist meist nicht der
Zilog-Chip, sondern der NEC-Klon µPD780C-1. Rund 100.000 Stück werden gebaut.
Commodore entwickelt den „VW Golf" unter den Homecomputern: Der VIC-20 wird über
eine Million Mal weltweit verkauft.
Digital Research kündigt CP/M-86 an. Die Deutsche Bundespost startet
Feldversuche mit Bildschirmtext (BTX) in Düsseldorf und Berlin. Ende des Jahres
wird bei IBM eine kleine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sogenannte Entry Systems
Division. In der Originalbesetzung handelte es sich um zwölf Ingenieure und
Entwickler unter der Leitung von Don Estridge. Als Chefentwickler fungierte
Lewis Eggebrecht, der auch am System/23 Datamaster mitgearbeitet hatte, das im
selben Jahr als kleines Bürocomputersystem vorgestellt wurde. Die Bauweise des
PC orientierte sich am Aufbau des Datamaster. Tastatur und Monitor wurden,
anders als bei Apple oder Datamaster, aus der Systemeinheit herausgenommen und
zu externen Geräten. Interrupt-Controller, DMA-Controller, I/O-Schnittstellen
und Pinbelegungen wurden ebenfalls vom Datamaster übernommen. Anstelle des zuvor
verwendeten Intel-i8085-Hauptprozessors, dessen Speichergrenze bei 64 Kilobyte
lag, entschieden sich die Entwickler für den Intel i8088, dessen Befehlssatz dem
des i8085 sehr ähnlich war, der jedoch 1024 Kilobyte adressieren konnte. In nur
einem Jahr gelang es dem Team nach einigen Marktanalysen, das System
fertigzustellen. Die Betriebssystementwicklung sollte zunächst Digital Research
übertragen werden; aufgrund geringen Interesses wurde dieser Auftrag jedoch
einer noch kleinen Softwareschmiede namens Microsoft übertragen.
Die DDR startet im VEB Funkwerk Erfurt die Fertigung des U880 – ein nicht
lizenzierter Z80-Nachbau, der sich nur in Details unterscheidet (etwa im
Carry-Flag beim OUTI-Befehl). Er wird zum Allzweckprozessor der
DDR-Rechentechnik.
Exxon übernimmt die Mehrheit an Zilog (zunächst 51 Prozent). Die
Ingenieurskultur der Gründerjahre weicht Konzernstrukturen.
National Semiconductor kündigt den NSC800 an, eine CMOS-Variante mit
Z80-Befehlssatz – ein früher Beleg dafür, dass der Z80-Befehlssatz zum
De-facto-Standard geworden ist.
Zilog bringt mit der System-8000-Serie eigene Mehrplatzrechner auf Z8000-Basis
mit UNIX heraus. Der Versuch, vom Chiphersteller zum Systemanbieter zu werden,
bleibt eine Randnotiz.
Microsoft bringt die Z-80 SoftCard für 349 US-Dollar: eine Steckkarte, die einen
Z80 in den Apple II bringt und so CP/M-Software wie WordStar ermöglicht. Sie
wird 1980 zur größten Einnahmequelle von Microsoft – dessen erstes
Hardwareprodukt.
Pac-Man startet in Tokio in den Standorttest. Das Automatenboard arbeitet mit
einem Z80A bei 3,072 MHz. Im ersten Jahr werden über 100.000 Automaten verkauft
– der Z80 wird zum Herz der goldenen Arcade-Ära.
Federico Faggin gibt Ende 1980 den Posten als President und CEO von Zilog ab. Er
gründet 1982 Cygnet Technologies und 1986 Synaptics; 2009 erhält er von
Präsident Obama die National Medal of Technology and Innovation.
Auf einer Computermesse zeigt Acorn den Atom, erstmals mit Netzwerkanbindung. Sophie Wilson entwickelt dafür die BASIC-Variante, aus der später BBC BASIC wird.
Tandy bringt den TRS-80 Color Computer für 399 US-Dollar mit 6809E heraus. Die Reihe läuft bis 1991 (CoCo 2 1983, CoCo 3 1986) und wird in Brasilien, Mexiko, Taiwan und – als Dragon 32/64 – in Großbritannien nachgebaut.
1981
Intel entwickelt den i80186 bzw. i80188 – Folgeversionen des 8086 bzw. 8088 mit
einigen Zusatzfunktionen, die für Intel jedoch beide zum Flop wurden. IBM stellt
am 12. August den IBM PC vor, mit 64 Kilobyte Arbeitsspeicher, bis zu zwei
360-Kilobyte-5,25″-DD-Diskettenlaufwerken und einem Systemtakt von 4,77 MHz.
NEC entwickelt den V20 und V30 auf Basis des 8088 bzw. 8086; beide sind zu 100 %
kompatibel zu den Intel-Originalen, jedoch in CMOS-Technik entwickelt. Die
später folgenden V40- und V50-Varianten unterscheiden sich lediglich dadurch,
dass einige Peripherie-Chips in die CPU integriert wurden.
Der Sinclair ZX80 kostet weniger als 100 US-Dollar; im Vergleich dazu kostet der
IBM PC, je nach Ausstattung, zwischen 1565 und 4425 US-Dollar – deutlich mehr,
wird aber zum Industriestandard. Der Sinclair ZX81 erscheint für 49,95 Pfund als
Bausatz bzw. 69,95 Pfund fertig. Über 1,5 Millionen Stück werden verkauft; ab
Juli 1982 gibt es ihn in den USA als Timex Sinclair 1000. Für viele ist er der
erste Kontakt mit einem Computer.
Der Firma Hayes gelingt es mit dem Smartmodem 300, den „Hayes-Industriestandard"
zu definieren. IBM erhält von der Deutschen Bundespost den Auftrag, 5000
BTX-Zugänge zu realisieren; der CEPT-Standard wird begründet.
Arcade-Klassiker wie Galaga und Scramble arbeiten mit Z80-Prozessoren. In vielen
Automaten sitzen gleich mehrere Z80 – je einer für Spiellogik, Sound und
Hilfsaufgaben.
Zilog wird vollständig von Exxon übernommen und ist damit Konzerntochter. Faggin
führt später an, IBM habe den Z8000 auch deshalb nicht in Betracht gezogen, weil
mit Exxon ein Konkurrent im Rücken stand.
Der Osborne 1 kommt für 1.795 US-Dollar auf den Markt: Z80 mit 4 MHz, 11
Kilogramm schwer, mit WordStar, SuperCalc und BASIC im Paket. Der erste
kommerziell erfolgreiche „tragbare“ Computer.
Digital Research hat über 250.000 CP/M-Lizenzen verkauft; rund 2.000
Anwendungsprogramme sind verfügbar. Die meisten dieser Rechner arbeiten mit
einem Z80 oder Z80-Klon.
Acorn liefert den BBC Micro aus, nachdem die Firma den Zuschlag für das BBC Computer Literacy Project gewonnen hat: 6502 mit 2 MHz. Über 1,5 Millionen Stück werden gebaut, die Fertigung läuft bis 1994.
Groupe Bull übernimmt R2E. Die Micral-Reihe wird unter Bull-Flagge fortgeführt und in den 1980er Jahren auf PC-Kompatibilität umgestellt; insgesamt entstehen rund 90.000 Micral-Rechner, viele davon für Mautstellen und Prozesssteuerung.
Der Motorola 68000 ist in Stückzahlen für etwa 125 US-Dollar zu haben. Apple handelt für Lisa und Macintosh Preise von 55 Dollar herunter, später bis zu einem Durchschnitt von 14,76 Dollar je Chip.
Der Motorola 6809 kostet 37 US-Dollar, ein Z80 neun und ein 6502 sechs Dollar. Die technische Überlegenheit nützt wenig – der Preis hält den 6809 aus den großen Heimcomputern heraus.
Erste 68000 mit 10 MHz kommen auf den Markt; im Juni 1982 folgen 12,5 MHz. Zweitquellen sind Hitachi, Mostek, Rockwell, Signetics, Thomson/SGS und Toshiba.
Williams Electronics setzt in den Arcade-Automaten Defender und Joust auf den 6809. Auch der Fairlight CMI und zahllose Industriesteuerungen nutzen den Chip.
1982
Der erste tragbare Computer mit PC-Leistungsprofil wird von der Firma GRID in
Düsseldorf vorgestellt. Das Schwestermodell GRID Compass wurde auf den ersten
Space-Shuttle-Missionen eingesetzt und basiert auf Intels 8086-Prozessor mit
einem 8087-Koprozessor. 512 Kilobyte Arbeitsspeicher und ein 384 Kilobyte
großer, nichtflüchtiger Blasenspeicher erinnern an typische PC/XT-Leistungsdaten.
Im gleichen Jahr entsteht der Intel i80286, ein zu 100 % zum i8086 kompatibler
Hauptprozessor mit zwei Modi: dem „Real Mode", in dem er einen i8086 emuliert,
und dem „Protected Mode", in dem 16 Megabyte Arbeitsspeicher adressierbar sind
bzw. 1 Gigabyte Arbeitsspeicher virtuell verwaltet werden kann. Die 286er wurden
mit 6, 8, 10, 12, 16 und 20 MHz ausgeliefert und basierten auf der
HMOS-Technologie. Viele Chiphersteller entwickelten Nachbauten.
Mit dem C64 baut Commodore den „VW Käfer" der Computerbranche.
Lotus Development stellt die Tabellenkalkulation „Lotus 1-2-3" vor, Peter Norton
entwickelt die Norton Utilities in Version 1. Mit „AutoCAD" stellt die Firma
Autodesk das erste Computer-Aided-Design-Programm für den PC vor.
Das Time Magazine macht den Computer zum „Mann des Jahres", während im Kino der
erste Computerfilm „Tron" zum Kassenschlager wird.
Digital Research stellt „CP/M Plus" bzw. „CP/M 3.0" vor; diese letzte Version
des 8-Bit-Betriebssystems wurde unter anderem auf dem Commodore C128, dem
Amstrad CPC 6128 und der PCW-Serie eingesetzt.
Dr. An Wang, Gründer von Wang Laboratories, wechselt von der aktiven Arbeit in
den Ruhestand. Unter der Bezeichnung Elektronika MK-60 erscheint der erste
solarbetriebene Taschenrechner der UdSSR.
Der Sequential Prophet-600 erscheint – ein Analogsynthesizer mit Z80-Steuerung
und der erste Synthesizer überhaupt mit MIDI-Schnittstelle. Der Z80 wird so auch
zum Wegbereiter der digitalen Musikvernetzung.
Kaypro bringt den Kaypro II: Z80 mit 2,5 MHz, 64 KB RAM, robustes Blechgehäuse,
1.795 US-Dollar. Mitte 1983 verkauft die Firma über 10.000 Geräte im Monat und
ist kurzzeitig der fünftgrößte Computerhersteller der Welt.
Olivetti bringt mit dem M20 einen der wenigen Rechner mit Zilog Z8001 auf den
Markt. Weil kein MS-DOS darauf lief, blieb er ein Außenseiter – ein Sinnbild für
das Schicksal des Z8000.
Sinclair bringt den ZX Spectrum: Z80A mit 3,5 MHz, 16 oder 48 KB RAM, 125 bzw.
175 Pfund. Über fünf Millionen verkaufte Geräte machen ihn zum prägenden
Heimcomputer Großbritanniens und zur Basis einer riesigen Spieleszene.
E. A. Sack wird Zilog-Chef – mit dem Exxon-Auftrag „Turn it around or shut it
down“. Er richtet die Firma auf Mikrocontroller und Standardbausteine aus statt
auf den Kampf gegen Intel.
Die ColecoVision-Spielkonsole erscheint in Nordamerika, angetrieben von einem
Z80A mit 3,58 MHz. Bis Weihnachten 1982 werden über 500.000 Stück verkauft,
insgesamt mehr als zwei Millionen.
Im Frühjahr 1982 läuft die Serienfertigung des BBC Micro für das Bildungsprogramm an. Der Rechner wird zum Standardgerät an britischen Schulen – Grundlage des Rufs, den Acorn im Bildungsmarkt bis zuletzt hat.
Die französische Regierung verstaatlicht Bull. Der Konzern wird zum Instrument nationaler Technologiepolitik – mit allen Vor- und Nachteilen.
Der MC68008 mit 8-Bit-Datenbus macht 68000-Systeme billiger; der MC68010 ergänzt Unterstützung für virtuellen Speicher und einen Schleifenmodus. Beide öffnen den 68k für UNIX-Rechner.
Die Fairlight-Series-II kostet in Großbritannien 30.000 Pfund. Peter Gabriel führt das Instrument auf seinem Album desselben Jahres vor – danach greifen auch Stevie Wonder, Herbie Hancock und Joni Mitchell zu.
Sun Microsystems bringt die Sun-1 heraus: 68000 mit 10 MHz, eigene Speicherverwaltung, UNIX, 8.900 US-Dollar. Die Workstation-Klasse entsteht – und sie basiert auf Motorola.
Die Spielkonsole Vectrex erscheint für 199 US-Dollar: 6809 mit 1,5 MHz und ein eingebauter Vektorbildschirm. Nach dem Videospiel-Crash stellt Milton Bradley sie im Februar 1984 wieder ein.
1983
Apple stellt die Lisa vor, mit einem 32-Bit-Prozessor, grafischer Oberfläche und
Maus wird sie zur „Großmutter" aller intuitiven Betriebssysteme. Apples
Marktanteil in Deutschland sinkt von 18 % im Vorjahr auf 11 %. IBM stellt den XT
mit 10-Megabyte-Festplatte vor; auch wird das Design des PC-Motherboards
verändert, sodass es nun mit 256 Kilobyte Arbeitsspeicher ausgestattet werden
konnte. Borland International stellt Turbo Pascal für CP/M-80, CP/M-86, PC-DOS
und MS-DOS vor.
Microsoft kündigt als Reaktion auf Apples Lisa „Windows" an. John Sculley, zuvor
Präsident von Pepsi-Cola USA, wird neuer CEO bei Apple.
CP/M 3 (CP/M Plus) erscheint als letzte 8-Bit-Version mit Bankswitching und
besserer Speicherverwaltung. Danach verschiebt sich der Markt endgültig zu
MS-DOS und 16-Bit-Rechnern.
Auf der Winter NAMM in Anaheim wird MIDI erstmals öffentlich vorgeführt: Ein
Prophet-600 (Z80-gesteuert) wird mit einem Roland Jupiter-6 verbunden – und es
funktioniert. Die Geburtsstunde des bis heute gültigen Standards.
ASCII und Microsoft stellen den MSX-Standard offiziell vor: Z80A mit 3,58 MHz
als verbindliche Basis für Heimcomputer verschiedener Hersteller. Schätzungen
reichen bis zu neun Millionen verkauften MSX-Rechnern.
Sega bringt in Japan die Konsole SG-1000 mit Z80-Prozessor heraus – der Einstieg
von Sega ins Hardwaregeschäft und der Beginn einer langen Z80-Linie bis zum Game
Gear.
Mit dem Mitsubishi ML-8000 kommt der erste MSX-Rechner in den Handel. Das
MSX-Ökosystem wird vor allem in Japan, Südkorea, Brasilien, den Niederlanden und
Spanien groß.
Der Acorn Electron erscheint für 199 Pfund als günstigere Variante des BBC Micro – gedacht als Gegner des ZX Spectrum von Sinclair. Acorn geht als Acorn Computer Group plc an den Unlisted Securities Market; die Firma wird mit 135 Millionen Pfund bewertet. Der Höhepunkt des britischen Heimcomputerbooms. Bei Acorn startet das Projekt Acorn RISC Machine. Die Ingenieure haben zuvor festgestellt, dass kein verfügbarer Prozessor ihre Leistungsziele zu vertretbaren Kosten erfüllt. Sophie Wilson entwirft den Befehlssatz, Steve Furber die Hardware.
Bull beschäftigt 26.000 Menschen und kauft die Rechnerhersteller SEMS und Transac zu.
Frankreich führt die Telefonkarte mit Chip ein – die erste Massenanwendung der Chipkarte überhaupt. 1992 folgen alle Carte-Bleue-Bankkarten mit Chip und PIN.
Compudata bringt den Tulip System-1 heraus – das letzte Gerät mit dem Namen Compudata und das erste mit dem Namen Tulip. Es erscheint nur Monate nach dem IBM PC XT. Als Massenspeicher gibt es optional 5 oder 10 MB Festplatte über eine SASI-Schnittstelle. Die IBM-Kompatibilität bleibt allerdings dürftig: Ein rudimentärer BIOS-Emulator lässt nur ausgewählte Programme wie WordStar laufen. Die Grafik kann 384 × 288 in Farbe und 768 × 576 monochrom darstellen, mit Hardwarebeschleunigung für Linien, Bögen, Kreise und Ellipsen. Mit dem optionalen Koprozessor 8087 erreicht der Rechner über 200 kFLOPS. Technisch ist der System-1 dem Vorbild überlegen: Intel 8086 mit 8 MHz, also fast doppelt so schnell wie der IBM PC XT, 128 KB RAM erweiterbar auf 896 KB – deutlich mehr als die 640 KB des Originals. Weil Tulip das IBM-Design samt BIOS zu genau kopiert hat, zieht IBM vor Gericht. Der Streit zieht sich über Jahre.
Tandy bringt den CoCo 2 in kleinerem Gehäuse; 1986 folgt der CoCo 3 mit 128 KB RAM und dem GIME-Grafikchip. BYTE urteilt über den Wechsel vom Z80 zum 6809: Außer dem Namen hätten die beiden TRS-80 nichts gemeinsam.
Milton Bradley übernimmt Anfang 1983 den Vectrex-Hersteller General Consumer Electronics. Nach 31,6 Millionen Dollar Verlust wird die Konsole ein Jahr später eingestellt.
1984
Der 68020 wird der erste 32-Bit-Prozessor der Marke Motorola, mit 190.000
Transistorfunktionen, einem maximalen Adressbereich von 4 Gigabyte,
Pipeline-Architektur und einem Verbrauch von nur 1,75 Watt. Nachdem Apples Lisa
nicht den gewünschten Erfolg brachte, wird das gleiche Konzept in Form des Apple
Macintosh zu einem Viertel des Preises vorgestellt (2495 US-Dollar). Im
Gegensatz zum IBM PC wurde das grafische Konzept konsequent durchgesetzt, den
Programmierern wurden enge Vorgaben gemacht und Drittherstellern der Zugang
verwehrt.
Ridley Scott hieß der Regisseur, der den legendären 60-Sekunden-Werbespot für
den Apple Macintosh drehte, der am 22. Januar während der Pause des dritten
Viertels des amerikanischen Super Bowl von Apple ausgestrahlt wurde. Die
Leistungsdaten waren wegweisend: 8-MHz-MC68000-Prozessor, 128 Kilobyte RAM, 64
Kilobyte ROM, 3,5″-Diskettenlaufwerk, integriertes Netzwerk, 512×342 Punkte
Grafik auf dem integrierten Monitor. Größe: 25×25×35 cm³, sehr kompakt und nicht
erweiterbar.
Hewlett-Packard stellt den HP LaserJet vor und läutet den Siegeszug der
300-dpi-Laserdrucker ein. Der IBM AT mit i80286-Prozessor, 20-MB-Festplatte und
256 Kilobyte Arbeitsspeicher wurde mit Xenix oder PC-DOS in Version 3.0
ausgeliefert.
Der Unterhaltungselektronikhersteller Schneider stellt in Zusammenarbeit mit dem
englischen Schwesterkonzern Amstrad den Preisbrecher CPC 464 vor. Für 899 DM
bekam der Neukunde einen auf dem Z80 basierenden, mit 4 MHz getakteten Computer
mit 64 Kilobyte RAM, eingebautem Datassettenlaufwerk (1000 oder 2000 Baud),
leistungsfähigem Locomotive BASIC mit Fenstertechnik, Grafik mit 600×200 Punkten
und maximal 27 Farben, erweiterbar mit einem 3,0″-Diskettenlaufwerk zu einem
vollwertigen CP/M-System.
Die Firma Acorn Computer wurde im Frühjahr 1984 als 21. Unternehmen in England
mit dem „Queen's Award for Technology" ausgezeichnet – bis dato rechnete man bei
Acorn mit 500.000 verkauften Acorn-BBC-Computern.
IBM gelang es, auf Fertigungslinien für Speicherchips mit 64-KB-Kapazität
1-Megabit-Chips herzustellen.
Der Robotron Z 9001 wird auf der Leipziger Frühjahrsmesse gezeigt; ab 1985 heißt
er KC 85/1, ab 1987 folgt der KC 87 mit BASIC im ROM. Insgesamt entstehen rund
30.000 Geräte dieser Baureihe mit U880.
In der DDR wird der HC 900 vorgestellt, ab 1985 als KC 85/2 vermarktet. Der VEB
Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen baut die Serie bis 1988 – mit
U880-Prozessor und für DDR-Verhältnisse guter Farbgrafik.
Acorn gliedert sich in mehrere Tochtergesellschaften für verschiedene Märkte auf – ein teurer Umbau kurz vor dem Einbruch des Heimcomputermarktes.
CTM stellt die 9032 vor – nach eigener Darstellung der erste in Deutschland gebaute kommerzielle 32-Bit-Rechner. Die parallel vorgestellte CTM 9016 arbeitet mit einem Motorola-Prozessor und ist mehrplatzfähig.
Ilse Müller verkauft die restlichen 49 Prozent an CTM für 15 Millionen DM an Diehl. Im selben Jahr gibt Diehl einen 49-Prozent-Anteil an die Standard Elektrik Lorenz (SEL) ab.
Motorola bringt den MC68HC11 heraus – Nachfahre von 6800 und 6801, erster Mikrocontroller mit CMOS-EEPROM an Bord. Er wird zum Arbeitstier in Fahrzeugen, Kassensystemen und Robotikbaukästen.
Sinclair kündigt den QL mit 68008 bei 7,5 MHz für 399 Pfund an. Die Auslieferung beginnt erst im April; rund 150.000 Geräte werden verkauft, 1986 ist Schluss.
1985
Im Oktober 1985, ein Jahr nach Motorolas 68020, stellt Intel den i80386 vor. Ein
echter 32-Bitter mit 275.000 Transistorfunktionen, in CMOS-Technologie
entwickelt, erhält dieser Hauptprozessor einen weiteren Modus: den „Virtual Real
Mode", in dem der 386er mehrere i8086 emuliert und parallel arbeiten lässt.
Erste Versionen des 16-MHz-386ers hatten Probleme mit dem CPU-Takt, sodass diese
Versionen auf 12 MHz heruntergetaktet wurden. Später folgten 20-, 25- und
33-MHz-Varianten. Kam der 286er noch mit 68 Pins (Anschlussbeinchen) aus,
benötigt der 386er bereits 132 Pins, um mit seiner Außenwelt zu kommunizieren.
Der VEB Polytechnik baut den Spielautomaten Poly-Play – den einzigen
Arcade-Automaten der DDR. Er arbeitet mit einem U880 bei 2,4576 MHz; etwa 2.000
Geräte werden gebaut.
Hitachi stellt den HD64180 vor, einen „Super-Z80“ mit MMU und integrierter
Peripherie. Zilog lizenziert das Design und verkauft es als Z64180 bzw.
erweitert als Z180 – ein seltener Fall, in dem der Klonhersteller zum
Lizenzgeber wird.
Robotron bringt den Bürocomputer PC 1715 mit U880 (2,5 MHz, ab 1987 als PC 1715W
mit 4 MHz). Rund 93.000 Stück entstehen, etwa 50.000 davon gehen in die
Sowjetunion. Preis in der DDR: 19.000 Mark.
Commodore liefert den Amiga 1000 aus: 68000, Farbgrafik,
präemptives Multitasking, 1.295 US-Dollar. Der 68000 trägt damit gleichzeitig
Macintosh, Atari ST und Amiga – die drei prägenden Plattformen der späten
1980er.
Commodore stellt auf der CES in Las Vegas den C128 vor. Neben 8502 und
MOS-Technik steckt ein Z80 im Gerät, der beim Start den Bus übernimmt und den CP/M-Modus
ermöglicht. Rund 2,5 Millionen Geräte werden gebaut.
Amstrad bringt den PCW 8256 für 399 Pfund: Z80 mit 4 MHz, Monitor, Laufwerk und
Drucker – eine komplette Textverarbeitung zum Preis einer Schreibmaschine. Bis
zum Produktionsende 1998 entstehen rund acht Millionen Geräte.
Sega bringt in Japan das Mark III heraus, das ab 1986 international als Master
System erscheint (Nordamerika September 1986, Europa August 1987). CPU ist ein
Z80A, betrieben mit 3,58 MHz; 10 bis 13 Millionen Geräte werden verkauft.
Der Acorn Electron wird faktisch eingestellt; Restbestände gehen im März 1985 für 129 und später für 99,95 Pfund weg. Insgesamt werden 200.000 bis 250.000 Stück verkauft. Finanzkrise: Olivetti übernimmt 49,3 Prozent an Acorn für 10,39 Millionen Pfund, im Juli wird der Anteil auf 79,8 Prozent aufgestockt. Acorn bleibt als Marke bestehen, ist aber nicht mehr eigenständig. Bei einem Test bei Acorn zeigt das Messgerät null Stromaufnahme: Die Versorgungsleitung der Platine war gar nicht angeschlossen, der Chip lief allein vom Leckstrom der Logik. So entdeckt Acorn zufällig, dass der ARM nur ein Zehntel Watt braucht. Die ersten ARM1-Muster treffen ein und funktionieren auf Anhieb – ein mit 6 MHz getakteter RISC-Prozessor, entworfen von einer Handvoll Leuten in einer Heimcomputerfirma, neben Intel und Motorola ein Winzling.
Compudata (später Tulip) stellt weitere Computer vor. Es folgen zwei echte IBM-Kompatible: der 16-Bit-Rechner PC Advance (später PC Extend) und der 8-Bit-Rechner PC Compact.
Segas Arcade-Platine System 16 kombiniert einen 68000 mit einem Z80 für den Ton. Auf ihr laufen Fantasy Zone, Shinobi, Altered Beast und Golden Axe; sie wird zur Blaupause für das spätere Mega Drive.
Apple kündigt den LaserWriter an (Auslieferung ab März, 6.995 US-Dollar): ein Drucker mit 68000 bei 12 MHz, mehr Rechenleistung als der Macintosh selbst. Mit PostScript und PageMaker beginnt Desktop Publishing.
Atari bringt den ST (angekündigt im Januar auf der CES): 68000 mit 8 MHz, ab 799,99 US-Dollar – und serienmäßig MIDI-Buchsen. Damit wird der ST für ein Jahrzehnt der Standardrechner in Tonstudios. Atari meldet über 50.000 verkaufte ST. Drei Viertel seiner Rechner setzt das Unternehmen in Europa ab – in Deutschland wird der ST zum Standardgerät in Musik- und Grafikstudios.
1986
Unter der Bezeichnung MK-52 erscheint der letzte in der UdSSR gefertigte
Taschenrechner des Ostblocks; künftige Modelle wurden von Sharp und Casio in
Japan gefertigt. Die Firma Wang Laboratories zählt 30.000 Beschäftigte und
erzielt einen Jahresumsatz von 3 Milliarden US-Dollar.
Der 32-Bit-Prozessor Z80000 erreicht das Teststadium, wird aber nie kommerziell
ausgeliefert. Zilog zieht sich damit endgültig aus dem Rennen um leistungsfähige
Universalprozessoren zurück.
Zilog schreibt nach mehreren Verlustjahren erstmals wieder Gewinn. Zwischen 1985
und 1989 verdoppelt sich der Umsatz auf über 100 Millionen US-Dollar – der
Sanierungskurs von E. A. Sack geht auf.
Ende 1986 folgt der Acorn ARM2 mit 8 MHz (Anfang 1987 auch 10 bis 12 MHz) und rund 30.000 Transistoren – weniger als ein Viertel dessen, was im Motorola 68000 steckt, bei vergleichbarer Leistung. Acorn bringt den BBC Master heraus; bis 1989 werden rund 200.000 Stück verkauft. Im selben Monat stellt die Firma ihr US-Geschäft ein.
SEL übernimmt CTM vollständig; Diehl zieht sich aus dem Computerbau zurück. Die CTM 9032 PL erlaubt zu dieser Zeit im Mehrprozessorbetrieb bis zu 96 Arbeitsplätze.
Apple stellt die Lisa ein. 1989 landen rund 2.700 unverkaufte Geräte auf einer Deponie in Logan, Utah – zwecks Steuerabschreibung. Heute sind sie gesuchte Sammlerstücke.
Der Atari 1040ST mit 1 MB RAM ist der erste Rechner, der die Schwelle von 1.000 Dollar je Megabyte unterbietet. Im selben Jahr erscheint die Mega-ST-Reihe mit bis zu 4 MB.
1987
Motorola stellt den 68030-Prozessor vor, eine konsequente Weiterentwicklung des
1984 erschienenen 68020. Der 030er wurde von Apple in sehr vielen
Macintosh-Systemen verbaut. Die 32-Bit-CPU unterstützt einen Adressraum von 4
Gigabyte und wurde mit einer üblichen Taktrate von 25 MHz angeboten, was einer
Rechenleistung von rund 6,5 MIPS entspricht.
Clive Sinclair stellt auf der Messe „Which Computer?“ den Cambridge Z88 vor, ein
flaches Notebook mit CMOS-Z80A (3,28 MHz), Flüssigkristallanzeige und
Batteriebetrieb. Auslieferung ab September 1987.
Zilog bringt den Z280: Z80-kompatibel, mit MMU für 16 MB, Cache und Pipeline. Er
wird ein kommerzieller Misserfolg und findet sich in keinem Serienrechner – in
ihn flossen auch Ideen des abgebrochenen Z800-Projekts.
Acorn bringt den Archimedes (A305, A310, A440) für 799 bis 2.299 Pfund heraus: ARM2 mit 8 MHz, rund 4 MIPS, Betriebssystem Arthur, später RISC OS. Es ist der erste RISC-Rechner, den sich Privatleute leisten können.
Bull übernimmt Honeywell Information Systems – der Schüler kauft den früheren Eigentümer. 1987 entsteht daraus ein Gemeinschaftsunternehmen mit Honeywell und NEC, das im Februar 1989 in Bull HN Information Systems umbenannt wird.
Compudata benennt sich in Tulip Computers NV um. Im selben Jahr ersetzen AT Compact, Compact 2 und die 386-Modelle die Vorgänger. Der Compact 2 wird zum Durchbruch – wesentlich getragen von der niederländischen PC-Privé-Aktion, die Firmenmitarbeitern den günstigen Kauf eines Heimrechners ermöglichte.
Commodore bringt Amiga 500 und Amiga 2000 mit 68000. Der A500 wird in Europa zum meistverkauften Amiga und hält die 68k-Architektur bis weit in die 1990er in Wohnzimmern präsent.
Apple bringt den Macintosh II, den ersten Mac mit 68020 – zwei Jahre nachdem der Prozessor breit verfügbar war. Auch Sun-3-Workstations und spätere Amiga-Modelle setzen auf den 68020.
Sharp bringt in Japan den X68000 heraus: 68000 mit 10 MHz und arcadetaugliche Grafikhardware. Die Reihe läuft bis um 2000 und endet mit dem X68030 (25 MHz, 4 MB RAM).
1988
Die 30-MHz-Variante des T800B-Transputers ist lieferbar; wie der Vorgänger T414B
ist der T800B ein 32-Bit-Prozessor mit integrierter Floating Point Unit.
Hersteller dieser Serie ist Inmos, eine Marke, die ansonsten recht unbekannt
blieb. Im Juni 1988 stellte Intel eine leistungsreduzierte 386er-Version vor:
den i80386SX mit nur 16 Bit externem Datenbus. Dieser in CMOS-Technologie
gebaute Prozessor mit 100 Pins wurde mit 16, 20, 25 und 33 MHz Taktfrequenz auch
von anderen Chipherstellern verkauft und zeichnete sich durch einen besonders
günstigen Einstiegspreis gegenüber der regulären DX-Variante aus.
Im September wurde der EISA-Busstandard von einem Konsortium großer
Hardwarehersteller unter Federführung von Compaq eingeführt, als Reaktion auf
IBMs Microchannel. Gegenüber IBMs Microchannel besitzt EISA eine günstigere
Architektur; bereits vorhandene 8-Bit- oder 16-Bit-Karten können ebenfalls in
diesen 32-Bit-Bus eingesteckt werden. Vor allem EISA-Controllerkarten für
SCSI-Festplatten konnten aufgrund der Busmasterfunktion gut vom
Geschwindigkeitszuwachs profitieren.
Sega bringt in Japan das Mega Drive heraus. Der Z80 sitzt darin als zweite CPU
mit 3,58 MHz und steuert die Soundchips – und sorgt zugleich für
Abwärtskompatibilität zum Master System. Über 30 Millionen verkaufte Konsolen.
CTM erreicht unter SEL noch einmal 145 Millionen DM Umsatz mit 800 Beschäftigten – der Höhepunkt, kurz bevor die PC-Welle die Minicomputer verdrängt.
Tulip ist zweitgrößter Computerhersteller der Niederlande und viertgrößter Europas. Für ein Land dieser Größe eine bemerkenswerte Position – und der Beweis, dass es europäische PC-Bauer mit Eigenentwicklungen gab.
Motorola bringt den RISC-Prozessor MC88100 heraus – rund zwei Jahre nach SPARC, MIPS und ARM. Er gilt kurzzeitig als schnellster 32-Bit-Prozessor der Welt, findet aber kaum Kunden.
Capcom bringt das CP System (CPS-1) heraus: 68000 mit 10 MHz plus Z80 für den Ton, rund 9,8 Millionen Dollar Entwicklungskosten. Darauf laufen Final Fight, Ghouls'n Ghosts und Street Fighter II.
Steve Jobs stellt in San Francisco den NeXT Computer vor: 68030 mit 25 MHz, Fließkommaeinheit 68882, 6.500 US-Dollar. Kommerziell ein Misserfolg – aber die Software wird später zur Grundlage von macOS.
Sega bringt in Japan das Mega Drive heraus: 68000 mit 7,6 MHz als Hauptprozessor, Z80 für den Ton. Über 30 Millionen verkaufte Konsolen machen den 68000 zum meistverbauten 16-Bit-Prozessor der Spielewelt.
1989
Im April 1989 stellt Intel den i80486-Prozessor vor, eine erweiterte
386-Architektur. Der i80486 beherbergt 1.180.235 Transistorfunktionen und
liefert bei 25 MHz eine Rechenleistung von rund 17 MIPS. Jack Kilby, Jerry
Merryman und James Van Tassel von Texas Instruments wurden für die ASME Holley
Medal vorgeschlagen.
Exxon trennt sich von Zilog: Das Management um Edgar Sack kauft das Unternehmen
mit Rückendeckung von Warburg Pincus in einem Leveraged Buyout zurück –
finanziert über rund 33 Millionen US-Dollar Schulden.
Die Produktion des KC 87 in der DDR endet. Wenige Monate später bricht mit der
politischen Wende auch die Grundlage der DDR-Mikroelektronik weg.
Nintendo bringt den Game Boy in Japan heraus. Sein Sharp LR35902 ist eine
Mischung aus Intel 8080 und Z80 mit 4,19 MHz. Mit Game Boy Color werden bis 2003
rund 118,7 Millionen Geräte verkauft.
Der Acorn ARM3 bekommt 4 KB Cache. Der darauf aufbauende Acorn A3000 erobert binnen neun Monaten 37 Prozent des britischen Schulmarktes.
Bull kauft Zenith Data Systems für 511 bis 635 Millionen Dollar. ZDS hatte 1988 mit 1,4 Milliarden Dollar Umsatz rund ein Viertel des US-Laptopmarktes gehalten und den bis dahin größten IT-Auftrag des US-Verteidigungsministeriums gewonnen.
SEL/Alcatel verkauft CTM für eine Deutsche Mark an zwei ehemalige Commodore-Manager; die Firma heißt fortan Itos. 1992 sind es noch 48 Millionen DM Umsatz und 70 Beschäftigte, 1995 erscheint der letzte Unix-Server.
Der BIOS-Streit von Compudata/Tulip mit IBM endet außergerichtlich gegen eine nicht genannte Summe. Tulip kann weiterbauen.
Ataris STE-Modelle ergänzen Blitter, besseren Ton und eine Palette von 4.096 Farben; 1990 folgt die Workstation TT030 mit 68030 bei 32 MHz, 1991 der Mega STE.
1990
Im Oktober 1990 stellt Intel den i80386SL vor, eine besonders energiesparende
Variante des i80386SX. Ausgerüstet mit einem Cache-Controller und einigen Pins
zum Power-Management, wurde diese CPU besonders in Notebooks verwendet.
Microsoft stellt am 22. Mai Microsoft Windows 3.0 vor und beginnt damit einen
Siegeszug in die Welt der grafischen Benutzeroberflächen. Windows ist auch in
der dritten Version kein eigentliches Betriebssystem: Es setzt auf dem
16-Bit-MS-DOS-Kern auf und erweitert das System um den 32-Bit-Modus, sodass die
für den PC üblichen Begrenzungen wie maximal 640 Kilobyte adressierbarer
Speicher wegfallen. Am 24.03.1990 stirbt Dr. An Wang an einem Krebsleiden. Am
03.06.1990 stirbt Dr. Robert Norton Noyce.
Motorola stellt mit dem 68040 eine CPU in 32-Bit-Technologie vor, die einen
Adressraum von 4 GB Speicher bearbeiten kann und bei 25 MHz eine Rechenleistung
von rund 22 MIPS liefert. Hauptkunde für den 040er ist Apple, da Atari und
Commodores Amiga entwicklungstechnisch so weit zurückgeblieben waren, dass ihre
Rechnersysteme vom Aussterben bedroht waren.
Intel stellt den ersten marktreifen 64-Bit-Prozessor vor: den i860, mit einem
Adressraum von 256 Terabyte und einer Rechenleistung von 100 MIPS bei 40 MHz
Taktfrequenz. Ursprünglich wollte Intel mit der i860-Plattform Geschichte in der
Welt der Personal Computer schreiben, doch die stetige Weiterentwicklung der
x86-Plattform verhinderte einen großangelegten Systemwechsel in der PC-Welt. Die
Firma Advanced RISC Machines Ltd., später ARM Limited, wird von Acorn Computer,
Apple und VLSI Technology gegründet.
Am NIITT und im Werk Angstrem in Selenograd bei Moskau entsteht in nur neun
Monaten der sowjetische Z80-Klon T34VM1 – benannt nach dem Panzer T-34.
Gefertigt in 2-µm-Technik, ab 1991 in Keramikgehäusen, später als KR1858VM1 in
Kunststoff.
Der U880 erhält in der DDR einen Die-Shrink (U880/6), der 8 MHz ermöglicht. 1990
wird der Kombinatsbetrieb als ERMIC GmbH privatisiert, 1992 geht er in der
Thesys GmbH auf; bis 1992 entsteht noch der U880DC08.
Texas Instruments bringt den TI-81, seinen ersten Grafikrechner – mit Z80 bei 2
MHz. Der Beginn einer Reihe, die den Z80 bis weit ins 21. Jahrhundert in
Schulranzen trägt.
Sega bringt in Japan den Game Gear heraus, technisch ein Master System im
Handheld-Format – erneut mit Z80. 1991 folgen Nordamerika und Europa.
Es geht was vor bei Acorn: Zwölf Ingenieure, unter ihnen Jamie Urquhart, Mike Muller und Tudor Brown, beziehen eine ehemalige Putenscheune in Cambridgeshire. Robin Saxby wird erster Vorstandschef – und setzt auf ein Geschäftsmodell ohne eigene Fabrik. Acorn, Apple und VLSI Technology gründen ein Gemeinschaftsunternehmen – zunächst als Widelogic Ltd., am 3. Dezember 1990 umbenannt in Advanced RISC Machines Ltd. Apple steuert drei Millionen US-Dollar bei.
Der Amiga 3000 erscheint mit 68030. Commodores Marktanteil in den USA ist da bereits auf sechs Prozent gefallen; die technische Führung nützt der Firma nicht mehr viel.
NeXT bringt die günstigere NeXTstation heraus. Die Firma verkauft ihre Rechner vor allem an Universitäten, Banken und Behörden – die große Stückzahl bleibt aus.
SNK startet in Japan das Neo-Geo-System (Arcade-Version MVS): 68000
mit 12 MHz plus Z80. Die Heimkonsole AES kostet 649,99 US-Dollar; unterstützt
wird die Plattform bis 2004 – das langlebigste Arcade-System überhaupt.
1991
Zilog geht an die Börse. Der Erlös tilgt praktisch die gesamten
langfristigen Schulden aus dem Buyout; das Unternehmen ist wieder unabhängig und
profitabel.
Der Acorn A5000 mit ARM3 und RISC OS 3 erscheint – aus Sicht der Fachpresse der größte Fortschritt bei Acorn seit dem Archimedes von 1987.
Die Neo-Geo-Heimkonsole AES wird nach anfänglichem Verleihmodell regulär verkauft. Spielmodule kosten 200 Dollar und mehr – Arcade-Technik fürs Wohnzimmer, zum Preis eines Möbelstücks.
Motorola tritt der AIM-Allianz mit Apple und IBM bei und beendet damit faktisch die 88000-Linie. Einige Bausteine der Architektur, etwa die Bus-Schnittstelle, wandern in den PowerPC.
Apple bringt mit Quadra 700 und 900 die ersten Macintosh mit 68040 – benannt nach dem Prozessor. Der letzte Vertreter, die Quadra 950, läuft noch bis Oktober 1995.
1992
Mit dem R4000 stellt MIPS einen Prozessor in 64-Bit-RISC-Technik vor, der bei 50
MHz eine Rechenleistung von rund 250 MIPS erzielt.
Amstrad bringt den NC100, ein batteriebetriebenes Z80-Notebook für
Texterfassung; 1993 folgt der PDA600 PenPad. Der Z80 hält sich in Nischen,
während der PC den Schreibtisch erobert.
Der ZX Spectrum wird nach zehn Jahren offiziell eingestellt – Amstrad hatte die
Marke 1986 übernommen. Die Szene rund um den Rechner ist bis heute aktiv.
Der Acorn ARM6 kommt heraus. ARM verkauft keine Chips, sondern Lizenzen: Kunden bauen den Kern in eigene Bausteine ein und zahlen Lizenzgebühr plus Stückabgabe – das Modell, das die Firma groß macht.
Atari stellt den Falcon030 mit 68030 vor – der letzte eigene Rechner der Firma. 1993 wird die gesamte ST-Linie zugunsten der Spielkonsole Jaguar eingestellt.
Commodore bringt Amiga 600, 1200 und 4000 heraus; im A1200 arbeitet ein 68EC020, im A4000 ein 68040. Die gesparte Adressleitung des EC-Typs begrenzt den Speicher auf 16 MB.
Der MC88110 kommt zu spät: Die zweite 88000-Generation erscheint erst 1992, als Motorola bereits auf PowerPC setzt. Größter Anwender der Familie bleibt die AViiON-Reihe von Data General.
Die PowerPC-Architektur wird vorgestellt. Sie entsteht aus IBMs POWER, wird von Motorola mitgefertigt und soll Apple und IBM aus der Abhängigkeit von Intel führen.
1993
Das Konsortium aus Motorola, IBM und Apple stellt den PowerPC-Prozessor 601 vor;
basierend auf RISC-Technologie ist er der leistungsfähigste Hauptprozessor am
Markt und wird zum Herzstück der neuen Apple-Computergeneration, den Power Macs.
Da die Rechenleistung unter Mac OS jedoch nur im sogenannten Native-Modus voll
nutzbar ist, beginnt die Abkopplung des Macintosh-Betriebssystems vom
68er-Prozessor. Gleichzeitig stellt Apple den Newton vor, einen Personal Digital
Assistant (PDA) mit Handschrifterkennung. Mit „Wolfenstein 3D: Spear of Destiny"
stellt id Software das erste „gefühlte" 3D-Spiel vor, bei dem es nur noch um das
Abschießen geht; Tausende Varianten werden folgen und Millionen Spieler an die
Monitore fesseln.
Apple bringt den Newton MessagePad mit ARM610 – das erste Massenprodukt außerhalb der Acorn-Welt mit ARM-Kern. Der Newton floppt (Einstellung erfolgt am 27. Februar 1998), doch der Prozessor ist damit im Markt.
Die französische Regierung leitet die Privatisierung von Bull ein; 1994 steigt unter anderem IBM ein. Bis 1997 ist der Staat weitgehend draußen.
Sharp bringt den X68030 mit 68030 bei 25 MHz, 4 MB RAM und optionaler SCSI-Platte – das Ende einer Reihe, die in Japan Kultstatus erreicht hat.
Atari bringt den Jaguar für 249,95 US-Dollar heraus. Der 68000 dient darin nur noch als Hilfsprozessor – Atari rät Entwicklern sogar ausdrücklich davon ab, ihn zu benutzen. Bis Ende 1995 werden rund 125.000 Geräte verkauft.
1994
Im Alter von nur 52 Jahren stirbt Gary Kildall, der Erfinder des Betriebssystems
CP/M.
Zilog erreicht mit 223 Millionen US-Dollar seinen Umsatzrekord. Im selben Jahr
erscheint der Z380, eine 32-Bit-Weiterentwicklung des Z80-Befehlssatzes, vor
allem für Telekommunikationstechnik.
Acorn bringt den Risc PC heraus, der später auch mit StrongARM lieferbar ist. Es ist der letzte große Wurf der Firma im Rechnergeschäft. Der ARM7TDMI erscheint und wird zur erfolgreichsten Umsetzung der Architektur – hunderte Millionen Stück. Der Thumb-Befehlssatz halbiert den Speicherbedarf und macht den Kern für Mobilgeräte attraktiv.
Der PowerPC 603 erscheint als erste vollständige Umsetzung der 32-Bit-PowerPC-Architektur (1,6 Millionen Transistoren, bis 120 MHz); im Dezember 1994 folgt der leistungsstärkere 604 mit 3,6 Millionen Transistoren.
Mit dem ColdFire erscheint eine vereinfachte, nicht voll kompatible Weiterentwicklung der 68k-Architektur für eingebettete Systeme. Sie hält die Linie technisch bis weit ins 21. Jahrhundert am Leben.
Apple stellt in New York die ersten Power Macintosh mit PowerPC 601 vor; 150.000 Stück sind bereits verkauft. Alte 68k-Software läuft nur noch über einen Emulator. Der Bruch mit der 68000-Ära ist vollzogen.
Motorola bringt den MC68060: superskalar mit zwei Pipelines wie der Pentium, 2,5 Millionen Transistoren, 50 bis 75 MHz. Er ist die letzte Universal-CPU der Familie – Apple hatte sich längst für PowerPC entschieden.
1995
Der 68060 findet seine Abnehmer nicht mehr in Computern, sondern in
Telefonvermittlungen von Nortel, Chyron-Schriftgeneratoren fürs Fernsehen und in
Beschleunigerkarten für Amiga und Atari.
Die 68040-Varianten 68LC040 (ohne FPU) und 68EC040 (ohne FPU und MMU) halten die Architektur in eingebetteten Geräten preiswert am Leben – bis heute etwa in Flugsteuerungen.
Motorola bringt den DragonBall (MC68328), einen 68000-Kern als stromsparendes System-on-Chip für Handhelds. Er wird zur Grundlage der Palm-Organizer – der 68000 im Hosentaschenformat.
Zehn Monate nach dem Start hat Apple eine Million Power Macintosh verkauft. Bis Mitte 1995 bleiben von der alten Linie nur die Quadra 950 und zwei Schulmodelle im Programm.
Mit dem Ende der Quadra 950 verschwindet der letzte 68k-Macintosh aus dem Programm. Nach elf Jahren ist die 68000-Ära bei Apple vorbei.
Microsoft veröffentlicht Windows 95.
1996
DEC und ARM stellen den StrongARM SA-110 mit 100, 160 und 200 MHz
vor, entwickelt seit 1995 unter Dan Dobberpuhl. Er steckt im Apple MessagePad
2000 und im Acorn Risc PC und gilt als schnellster Prozessor für tragbare
Geräte. Acorn bringt zusammen mit Oracle den Network Computer heraus – ein
schlanker Netzwerkrechner ohne Festplatte. Olivetti beginnt im selben Jahr,
seinen Anteil abzubauen.
Packard Bell übernimmt Zenith Data Systems in einem Dreiecksgeschäft mit Bull und NEC. Damit endet Bulls Ausflug ins amerikanische PC-Geschäft – er hat viel Geld gekostet.
Tulip ist der erste Computerhersteller, bei dem USB serienmäßig auf der Hauptplatine sitzt – ein Detail, das zeigt, dass die Firma technisch vorn dabei war, als ihr Geschäftsmodell schon bröckelte.
Motorola stellt die Fertigung des 68000 in HMOS-Technik ein – 17 Jahre nach der Vorstellung. Als eingebetteter Kern und in ColdFire-Form läuft die Architektur weiter.
1997
Intel übernimmt die StrongARM-Technik von DECs Halbleitersparte im
Rahmen eines Patentvergleichs. Daraus wird später XScale – ARM-Technik unter dem
Dach des größten x86-Herstellers.
Nokia kündigt das 6110 an (im Handel ab 1998): das erste GSM-Telefon mit ARM-Prozessor (ARM7TDMI), erstes Nokia mit Menüsymbolen, Infrarot – und mit dem Spiel Snake. Der Durchbruch der Architektur im Mobilfunk.
Tulip kauft die Markenrechte an Commodore aus der Konkursmasse von Escom. Escom hatte Commodore 1995 für 14 Millionen Dollar erworben und war 1996 selbst insolvent geworden – die Marke wechselt damit binnen zwei Jahren zum dritten Mal den Besitzer.
Der PowerPC 620 erscheint erst 1997 statt wie geplant Mitte der 1990er – die erste vollständige 64-Bit-Umsetzung der Architektur kommt damit zu spät, um noch Wirkung zu entfalten.